Stadtgeschichte

„Über die Entstehung des Namens [Traunstein] geht die Sage, daß vor Zeiten ein Fuhrmann mit schwerer Fracht durch eine Furt der Traun wollte; doch in der Mitte des Flusses war der Wagen nicht mehr weiter zu bringen, da fing er zu fluchen an: ‚Ich wollte, daß doch alles gleich zu Stein werde!‘ Da – man läutete in Haslach gerade zum Gebet – ward mit einem Mal Mann und Roß und Wagen in einen großen Stein verwandelt, dessen Überreste noch heute als Traunstein an jener Stelle zu sehen sind.“

Ein versteinerter Fuhrmann, eine Lawine, die einen Gotteslästerer unter sich begrub oder gar ein Steinwurf des Teufels: Der markante Felsblock an der östlichen Ortseinfahrt Traunsteins  beflügelte die Fantasie der Menschen zu allen Zeiten. Den Ortsnamen aber erklären diese Mythen nicht. In Wahrheit verweist das für Burgen und feste Plätze stehende Grundwort „Stein“ auf eine Burg oder Siedlung an der Traun.

Gründungsstadt der Wittelsbacher

Güterverzeichnisse des Erzbistums Salzburg nennen bereits um das Jahr 790 Besitzungen „ad Trun“; die Traunsteiner Nachbarorte Kammer, Surberg und Vachendorf etwa erfahren dort ihre erste Erwähnung. Auch Burgställe, mittelalterliche Wehranlagen, lassen sich ab dem 10. Jahrhundert in der näheren Umgebung nachweisen, so zum Beispiel die Burg „Lenzisberg“ am Hochberg. Anfang des 12. bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts sind die Ministerialen „de Truna“ in zahlreichen Urkunden benachbarter Klöster dokumentiert. Die Heimatforschung verortet deren Stammsitz an der Stelle der späteren bayerischen Herzogsburg und betrachtet die „Trunaburg“ als Keimzelle der Stadt. Ein direkter Beweis aber fehlt. Offiziell tritt „Trauwenstain“ somit erst 1245 in die Geschichte ein: als „iudicium“ (Gericht) und „officium“ (Amt) des Klosters Baumburg, ein früher Hinweis auf zentralörtliche Funktionen.

Mit dem 1275 geschlossenen zweiten Erhartinger Vertrag fiel der Chiemgau endgültig an Bayern. In der Folge festigten die seit 1180 in Bayern regierenden Wittelsbacher ihre Herrschaft. Ein Hauptbestandteil ihrer Politik war die Anlage befestigter Städte an militärischen und/oder wirtschaftlichen Brennpunkten. War dort bereits eine Besiedelung vorhanden, wurde diese planmäßig ausgebaut. „Trovnstein“ bot sich dafür geradezu an. Der grenznahe Ort an der Salzhandelsroute von Reichenhall nach München lag auf einer Anhöhe und wurde von der Traun in einem nach Osten ausholenden Bogen umflossen. Die Brücke über den Fluss hatte eine enorme strategische Bedeutung.

1275 verlegte der Herzog eine bisher im benachbarten Lauter erhobene Maut nach „Travnstain“, das schon wenig später, um 1300, als „Stat“ mit Bürgern, Zoll, Salzhandelsprivilegien, drei Mühlen und zwei Toren als Teil der Stadtmauer bezeichnet wurde. Diese Befestigung, eine Ringmauer samt Graben, umschloss den weiten, saalartigen Markt. Ein Rat als städtisches Organ lässt sich ab 1314 nachweisen. 1361 wird schließlich auch besagte Herzogsburg genannt, die Veste am südöstlichen Rand des Plateaus. Entstanden war ein baulich geordneter, geschlossener und befestigter Rechts-, Gerichts- und Marktbezirk mit Ansätzen bürgerlicher Selbstverwaltung. Das Gemeinwesen erhob sich über das Umland, in der bestehenden kirchlichen Organisationsstruktur aber blieb ihm nur eine Nebenrolle. Die Pfarrkirche Mariä Verkündigung war im etwa drei Kilometer südlich gelegenen Haslach. Sankt Oswald, 1342 in der ältesten Urkunde des Stadtarchivs erstmals erwähnt, blieb bis 1851 deren Filiale.

Archäologische Grabung im Bereich der ehemaligen Veste. (Foto: Jochen Scherbaum, Bamberg, 2006)

Das Stadtrecht von 1375


Am Ende dieser Entwicklung stand die Verleihung der Stadtrechte im Jahre 1375 durch Herzog Friedrich, dem zuvor die „Burger unser Stat ze Trawnstain“ glaubhaft versichert hatten, dass „ir Brief verbrunnen“ waren. Aber: Hatte tatsächlich ein Brand vor 1375 ein komplettes Stadtrecht, das in diesem Fall kurz nach 1321 zu datieren wäre, zerstört? Allein die Tatsache, dass es keine Dublette dieses imaginären Dokuments gibt, lässt daran zweifeln. Oder handelte es sich bei den „verbrannten Briefen“ vielmehr um eine Reihe älterer Einzelprivilegien? Diese Annahme ist nicht von der Hand zu weisen.

Ab 1375 jedenfalls regelten 92 Artikel, zusammengestellt nach dem Vorbild der Stadt Neuötting, Verwaltung, Rechtsprechung, Handel und Gewerbe. Bei den strafrechtlichen Sanktionen galt zum Teil noch das germanische Prinzip Auge um Auge: Lähmung für Lähmung, „ainen Todslag wider den andern“, Selbstjustiz nach eigenem Ermessen, falls ein Mann einen anderen bei seiner Frau „unbillich“ antraf. Das einseitige Bild vom dunklen Mittelalter geht auch auf die isolierte Betrachtung derart drastischer Normen zurück. In aller Regel waren für Verfehlungen Geldstrafen vorgesehen. Der Stadtkammer erwuchsen daraus erhebliche Einnahmen. Ein Ratsherr, der eine Zusammenkunft versäumte, kam mit einer Buße von 24 Pfennig „zum Vertrinken“ noch glimpflich davon; eine herzhafte „Maulschelle“ kostete das Zwanzigfache. Verordnungen, Schreiben und Urkunden beglaubigte die Stadt nun mit ihrem eigenen Siegel. Und aus dem städtischen Siegel entwickelte sich ihr Hoheitszeichen, das Traunsteiner Wappen: in Schwarz zwei aus grünem Dreiberg wachsende, ausgebogene goldene Lilienstängel.

Für Traunsteins weiteres Fortkommen war das Stadtrecht von unschätzbarem Wert. Allerdings war es als persönliches Lehen des Landesherrn nur „verliehen“. Starb der Herrscher, hatte die Stadt seinem Nachfolger die „untertänigste Erbhuldigung“ zu leisten; im Gegenzug erneuerte dieser ihre Rechte. Letztmals geschah das 1780. Dabei wurde auch die Legende vom Stadtbrand 1371 in die Welt gesetzt, der leider, obwohl ansonsten nirgends belegt, immer noch zu den stadtgeschichtlichen Grundkenntnissen zählt.

Blütezeit im 16. Jahrhundert

Traunstein und das Salz – so überschrieb der Heimatforscher Georg Schierghofer sein Standardwerk, in dem er 1911, wenn auch nicht immer frei von Fehlern, dessen Stellenwert hervorhob. Für die Stadt war das Weiße Gold bis zum Ausgang des Mittelalters der Wirtschaftsfaktor schlechthin. Reichenhall mit seinen natürlich vorkommenden Solequellen war das Zentrum der Produktion. Der Handel wurde von reichen Bürgern, den Salzsendern, betrieben. Er ging stafettenartig von Ort zu Ort, wo jeweils Lagerung und Weiterverkauf erfolgen mussten. Das Umfahren eines solchen Stapel- und Umschlagplatzes war bei hoher Strafe verboten. Und man achtetet penibel auf die Einhaltung dieser Vorgaben; denn Salz brachte Wohlstand. Traunstein war schon um 1300 eine Niederlage für das Reichenhaller Salz mit einem der Lagerung dienendem „Salzhaus“. 1359 bestätigte Herzog Stephan den Traunsteinern, dass sie das Salz von Reichenhall holen und die Wasserburger es von hier aus zu sich an den Inn bringen sollten.

1510 erhielt Traunstein eine neue Ratswahlordnung. Das alte, aus acht Personen bestehende Gremium wurde abgelöst durch einen Inneren Rat mit sechs Mitgliedern, von denen zwei (später vier) jeweils ein halbes Jahr als Bürgermeister amtierten. Er hatte die Exekutivgewalt und wurde von acht Äußeren Räten kontrolliert. Neu war neben der Gliederung in zwei Kammern das Amt des Bürgermeisters. Bislang waren in den Urkunden stets nur „Rat und Gmain der Purger“ aufgeführt worden. Auch in der Jurisdiktion änderten sich die Befugnisse. Sämtliche Delikte mit Ausnahme der höherinstanzlich angesiedelten Kapitalverbrechen – schwerer Diebstahl, Straßenraub, Totschlag und Notzucht – hatte bislang der herzogliche Richter abgeurteilt. Der Rat war an den Verhandlungen lediglich beteiligt. Fortan übte er die niedere Gerichtsbarkeit in eigener Zuständigkeit aus.

Ebenfalls 1510 gewährte der Landesfürst zwei weitere Jahrmärkte. Wirtschaftlich erstarkt, rechtlich abgesichert und begünstigt durch den anhaltenden Frieden nach dem Landshuter Erbfolgekrieg – er hatte das geteilte Bayern vereinigt und Traunsteins niederbayerische Episode beendet – war es der Stadt möglich, innerhalb kurzer Zeit nahezu alle öffentlichen Bauten zu verwirklichen, die ihr Gesicht bis zum Brand von 1851 prägten.

Schon 1493 waren die Straßen und Gassen gepflastert worden. 1501 wurde die Oswaldkirche, 1526 der Lindlbrunnen mit Rossschwemme neu errichtet. Der „märbelsteinerne Mann auf dem Brunnen“, eine Ritterfigur in Maximiliansharnisch, wurde zum Wahrzeichen Traunsteins. Der ruinöse obere Turm wurde 1541 abgebrochen und wieder aufgebaut; das Gleiche geschah 1548 mit seinem unteren Pendant. Während in diesen beiden Fällen das heimische Handwerk herangezogen wurde, leistete man sich ein Jahr später auswärtige Spezialisten. Italienische Baumeister mauerten „einen Zwinger bei den Fleischbänken“, das „unterste“ oder Mauttor, ein großes Gebäude mit einem Dachreiter aus Holz. Für ihre Arbeit erhielten die „Walchen“ hohen Lohn und einen „Bschlusswein“. 1568 baute die Stadt einen Salzstadel, der die bisherigen Dimensionen sprengte: Auf einer Länge von 130 (später 190) Meter zog er sich über den gesamten Bereich des jetzigen Maxplatzes. 1576 vollendete das Rathaus am Stadtplatz das städtische Weichbild.

Die älteste Ansicht der Stadt Traunstein zeigt die Kirche St. Oswald, die herzogliche Veste sowie die mit Türmen bewehrte Stadtmauer. (Tuschzeichnung, koloriert, Philipp Apian, um 1560, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5379/3)

Eine spätgotische Stadtführung


Die erste verlässliche Gesamtansicht, ein Deckengemälde Hans Donauers im Antiquarium der Münchner Residenz, zeigt Traunstein von Osten her gesehen. Dominant erhebt sich Sankt Oswald über die ummauerte Stadt. Eckpfeiler der Befestigung sind das Schaumburger Schloss (rechts) und die herzogliche Veste (links) sowie im Vordergrund der untere Turm mit dem Salzburger Tor und im Hintergrund der obere oder „Stadtknechtturm“ rechts neben der Kirche, die das unmittelbar neben ihm stehende Tor verdeckt. Nicht abgebildet ist Heilig Geist, das Viertel der Armen, Siechen und Leprosen. Dort war die „lange Prukken“ über die Traun. Durch das Mauttor am Ende des Vorbergs gelangte man über eine steile Anhöhe, den „Khniepaß“, zum Salzburger Tor. Es gab den Blick frei auf den Straßenmarkt, der von der nördlichen und südlichen Häuserfront („Sonn- und Schadtzeile“) begrenzt wurde. Die gewaltige Baumasse der Kirche schloss die Weite des Platzes ab. Im Westen verließ man die Stadt durch das Münchner Tor und den Durchgang des vorgelagerten Salzstadels.

Außer den beiden Hauptzugängen gab es noch zwei kleinere „Türl“; im Norden das Schaumburger- oder Brunntürl, von dem aus der Türlberg in die (Brunn-)Wiese führte, im Süden an der Stelle des heutigen Löwentores das Au- oder Stadtmeistertürl. Beide waren ebenfalls mit Türmen und Vorwerken bewehrt. Ein weiterer Turm an der südwestlichen Ecke der Stadtmauer, das „Haseneck“, beherbergte das Gefängnis und den Pfandstall für beschlagnahmtes Vieh; im oberen Turm war eine zweite Arreststube.

Das städtische Gebiet beschränkte sich jedoch nicht auf das Innere der Ringmauer samt den drei Vorstädten Heilig Geist, Vorberg und Wiese, es schloss vielmehr das Areal des Burgfriedens mit ein, der 1606 zum ersten Mal beschrieben wurde. Im Wesentlichen entsprach er dem Stadtkreis vor der Gebietsreform von 1972. Die einzige öffentliche Einrichtung extra muros blieb lange Zeit das 1547 etwa eineinhalb Kilometer nördlich an der Traun erbaute Wildbad Empfing. Ungeachtet aller späteren Analysen, die dem Wasser jegliche Heilkraft absprachen, war es ein wesentlicher Bestandteil der damaligen Hygiene und Gesundheitsvorsorge, als – einhundert Jahre vor dem ersten „Medicus“ – Ober- und Unterbader die einzigen Ärzte waren.

Erste detailgetreue Gesamtansicht Traunsteins (Wandmalerei, Hans Donauer, München, um 1590, Antiquarium der Münchner Residenz)

Bürger und Inwohner, Zünfte und Stümpler


Traunstein hatte zu Beginn des 17. Jahrhunderts etwa 1.200 Einwohner. Nur gut ein Zehntel von ihnen, ausschließlich Männer mit Besitz, waren Bürger. Sie gaben den Ton an und bestimmten über den Familienverbund, zu dem neben Frau und Kindern auch die Gesellen, Lehrlinge, Knechte und Dienstmägde zählten. Eine nachrangige Stellung nahmen die „Inwohner“ ein. Handwerk und Gewerbe waren in den auf christlicher Grundlage aufgebauten Zünften organisiert. Ihr Aufgabenbereich umfasste die Sicherung des Nahrungsstandes und die Sorge um die Ausbildungs- und Arbeitsverhältnisse sowie das Seelenheil ihrer Mitglieder. Jährlich wurde nach der Ratswahl vor versammelter Gemeinde eine Reihe von Vorschriften öffentlich verlesen. Die Regeln waren streng; beispielsweise mussten die Metzger zu festgesetzten Zeiten und Preisen ihr Fleisch auf den Fleischbänken am Kniebos feilbieten, die Bäcker Brot und Semmeln im Brothaus. Letzteres war seit 1576 im Gewölbe des Rathauses und nicht im oberen Turm, der diese Funktion erst viel später und nur für kurze Zeit übernahm.

Jede Branche passte peinlich genau darauf auf, dass ein verwandter Beruf ihr ja keinen Auftrag abspenstig machte. Gegen die unzünftigen „Sterer, Frötter und Stümpler“ aber, die ins Handwerk pfuschten, hielt man zusammen. Unnachgiebig ging man gegen diese leidige Konkurrenz vor. Heiraten durfte nur, wer ein selbstständiges und gesichertes Einkommen vorweisen konnte. Eine nicht geringe Anzahl unehelicher Kinder war die Folge. Aber auch seltsam anmutende Allianzen kamen zustande, wenn ein Geselle seine Chance ergriff und in eine Werkstatt einheiratete. Hatte er Glück, bekam er zur Meisterstelle die Tochter, im anderen Fall die um Jahrzehnte ältere Meisterswitwe.

1587 verstaatlichte Herzog Wilhelm den Salzhandel. Unregelmäßigkeiten in der bedarfsgerechten Versorgung waren hierfür der offizielle, eine leere Staatskasse der eigentliche Grund. Nachdem sie zuvor fast sämtliche Siederechte an sich gebracht hatten, waren die bayerischen Landesherren jetzt nicht nur die größten Salzproduzenten, sondern auch die mächtigsten Salzhändler Süddeutschlands. Die reichen Salzsender verließen Traunstein, die ganz auf Salz ausgerichtete Wirtschaft geriet ins Stocken. Wortreich beklagten Bürgermeister und Rat, „daß Traunstain, gleich vorm Gebürg und an ainem wintrigem Orth und gar auf der Greniz [Grenze] gelegen so [= und] mit khainem Wasserstromb oder durchgehenden Landtstrassen fürsechen. Daß auch allda, ausser ettlich wenigen, so ir tägliche Nahrung haben, gar ein[e] verarmbte, schlechte, nottige Burgerschafft […] gueterthails in Abschlag und Hinterstelligkhait ihres Vermigens geratten.“

Unschwer lässt sich diese triste Lagebeschreibung als eine Anhäufung halbwahrer und zweckpessimistischer Behauptungen erkennen, denn eine Verarmung war keinesfalls eingetreten. 1568 hatte der Herzog Traunstein den Scheibenpfennig verliehen: Für jede niedergelegte „Scheibe“ – eine Maßeinheit von 68 Kilogramm – Reichenhaller Salz mussten die Händler einen Pfennig bezahlen. Dieser Zoll wurde als staatlicher Zuschuss beibehalten. Bis zum Jahr 1800 betrug sein Anteil an den städtischen Gesamteinnahmen im Durchschnitt 25 Prozent. Auch die Funktionen als Handwerkerstadt und Marktzentrum blieben erhalten. Hinzu kam eine hervorragende verkehrstechnische Anbindung durch den Ausbau der Salzstraßen. Doch anstelle der freien Marktwirtschaft des Spätmittelalters war die absolutistisch gelenkte Staatswirtschaft der frühen Neuzeit getreten.

Der Salzstadel vor dem oberen Tor (Druck auf Karton, Zeichnung von Adolf Kunst, Regensburg, um 1910, Stadtarchiv Traunstein, GL 514)

Die Gründung der Saline Au

1613 entdeckte man in Reichenhall ein neues, reichhaltiges „Salzflüssl“. Um aber diese Ressource vor Ort zu verarbeiten, fehlte es an Holz. Am 4. Januar 1616 verfügte Herzog Maximilian daher, die Sole „über das Gebirge“ nach Inzell und Siegsdorf und von dort nach Traunstein zu führen. Hier lieferten die Wälder der Umgebung den Brennstoff für die Sudpfannen im Überfluss. Hofbaumeister Hans Reiffenstuel (1548–1620) und sein Sohn Simon (1574–1620) konstruierten ein Rohrleitungssystem, ein technisches Meisterwerk aus mehr als 8.000 Deicheln, wobei sieben Pumpstationen auf 32 Kilometern gut 260 Meter Höhenunterschied überwanden. Gleichzeitig errichtete man auf dem „Pflegeranger“ der kaum besiedelten Au südlich unterhalb der Stadt eine Saline; Sudstätten, Härthäuser und Wohnungen entstanden in nur dreijähriger Bauzeit. 1619 wurde der Betrieb aufgenommen.

In allen heimatkundlichen Veröffentlichungen wurde die Saline als das Äquivalent zum Verlust des Salzhandels und ihr Gründer Maximilian als herausragender Gönner der Stadt dargestellt. Diese romantische Sichtweise muss man relativieren; sie greift zu kurz. Sicher darf man annehmen, dass am Bau auch heimische Handwerker gewinnbringend beteiligt waren. Und der Zuzug des Salinenpersonals erhöhte die Absatzmöglichkeiten des Gewerbes beträchtlich: Immerhin mussten „540 Personen groß und klein“ zusätzlich versorgt werden. Ansonsten war die Saline völlig autark. Als Hofmark bildete sie einen geschlossenen Rechts- und Verwaltungsbezirk unter der Aufsicht des Salzmaiers mit eigener Kirche, Schule und nicht zuletzt einem eigenen Wirtshaus. In der Stadt wohnten nur die hohen Salzbeamten und steigerten so das an Hausbesitz gebundene Steueraufkommen. Gleichzeitig aber dominierten sie mehr und mehr das gesellschaftliche Leben, wie eine Prozessionsordnung des 17. Jahrhunderts deutlich macht: Voraus gingen Pfleger, Salzmaier und Kastner, es folgten die landesherrlichen Beamten, die Bürgermeister wurden erst an zwölfter Stelle aufgeführt, „die 8 Eyssern Rath“ mussten sich hinten anstellen. Die Stadtväter erkannten diese Gefahren sehr wohl und wehrten sich gegen den staatlichen Großbetrieb – zumindest am Anfang und natürlich ohne Erfolg. Die kostenlose Zuteilung von Küchensalz und die Ausdehnung des Scheibenpfennigs auf die örtliche Produktion beruhigten die Gemüter. Aber noch lange sahen die alteingesessenen Bürger im wörtlichen wie übertragenen Sinn von oben auf die Au und ihre „Saliner“ herab.

Das Zeitalter der Gegenreformation


Auch in Traunstein selbst gab es seit 1611 mit dem Weißbierbrauhaus einen staatlichen Betrieb. Wie die Salzgewinnung war auch das Brauen von Weißbier ein landesherrliches Monopol mit hoher Gewinnerwartung. Das neue Modegetränk verdrängte den in Altbayern zu dieser Zeit üblichen Wein völlig. Auch für die bürgerlichen Braunbierbrauer waren die Hofbräuhäuser eine ernstzunehmenden Konkurrenz. Ihr Gerstensaft war nicht selten „gar schlecht“ oder verdorben und ging allzu früh zur Neige. Dann musste, um den Durst der Traunsteiner zu stillen, Bier aus Braunau, Trostberg oder Wasserburg importiert werden. „Traunstein und Erding, Vilshofen und Schärding sind in Bayern der Orte vier, wo man braut das beste Bier.“ Im 17. Jahrhundert war man davon noch weit entfernt.

Für (seit 1623) Kurfürst Maximilian, der dem Katholizismus untrennbar verbunden war, stand außer Frage, dass er sein Augenmerk auch und gerade auf die Religiosität seiner Untertanen zu richten hatte. Und mit der stand es in Traunstein nicht zum Besten. Der Kirchenbesuch war spärlich, an Sonn- und Feiertagen wurde „auf dem Plaz […] anstatt des Gebetts unnüz Geschwäz“ getrieben. Aber war es den Leuten zu verdenken, wenn schon der Klerus keinerlei Vorbildfunktion ausübte? Zwei Haslacher Pfarrherren mussten nacheinander ihres Amtes enthoben werden. Sigmund Taurmann wurde zum Verhängnis, dass er vom verbotenen Glücksspiel mit seinen Kooperatoren nicht lassen konnte. Noch ärger trieb es sein Nachfolger. Johann Froschmair hatte nicht nur eine Vaterschaft zu verantworten, sondern stellte trotz mehrmaliger Abmahnungen seine Liebesbeziehung auch in aller Öffentlichkeit zur Schau, unter anderem bei einer nächtlichen Schlittenfahrt während der Fastnacht: „Ein ganz unpriesterliches […] Leben, daran die Gemain große Ärgernuss nimbt.“

Um diesen offensichtlichen Missständen abzuhelfen, sandte der Kurfürst 1627 die Kapuziner nach Traunstein. Sie gründeten 1628 die Corpus-Christi-Bruderschaft zur Pflege der Fronleichnamsprozession. 1630 errichtete man für die Mönche ein „Wohnungshäusl“, wo sie für mehrere Wochen im Jahr Quartier bezogen und nach dem rechten Glauben sahen. 1687 begannen westlich vor den Toren der Stadt, in unmittelbarer Nachbarschaft des 1639 dort geschaffenen Friedhofs, die Bauarbeiten für ein Kloster. Am 25. August 1690 wurde die Kirche der Allerheiligsten Dreifaltigkeit geweiht. Der Bettelorden konnte sich jetzt beständig um das Seelenheil des einfachen Volkes kümmern, sehr zum Leidwesen der Weltgeistlichen. Zurecht sahen sich diese von den wortgewaltigen Predigern in ihrem Einfluss beschnitten.

Von den Gräueltaten des Dreißigjährigen Krieges blieb Traunstein verschont. Kein feindlicher Soldat überschritt den Inn, die Einquartierung eigener Hilfstruppen, denen ein verheerender Ruf vorausging, verhinderte 1633/34 ein Aufstand der Chiemgauer Bauern. Machtlos waren die Menschen jedoch gegen die im Gefolge des Krieges grassierende Pest. Durch seuchenpolizeiliche Maßnahmen, unter anderem Pestwachen, versuchte die Obrigkeit, der tödlichen Krankheit Herr zu werden – vergebens. Im August 1635 brach die „laidige Sucht“ aus und kostete in wenigen Monaten 117 Menschen das Leben. Im Vergleich zu anderen Städten war man glimpflich davongekommen, doch war, wie überall im Land, das pulsierende Leben einer tiefen Depression gewichen.

 

 

     

Der Stadtbrand von 1704


Erstes sichtbares Zeichen einer Erholung war der 1675 begonnene und bis 1696 vollendete barocke Neubau der Oswaldkirche nach Plänen von Gaspare Zucalli, ausgeführt von Lorenzo Sciasca und Antonio Riva, klangvolle Namen der Graubündner Schule. Ganze acht Jahre konnten sich die Gläubigen ihrer Kirche erfreuen. Dann überzog der Spanische Erbfolgekrieg den Chiemgau. Am 25. und 26. Juli 1704 besetzten österreichische Truppen Traunstein. Eine hohe Brandschatzung sollte das Schlimmste verhindern. Doch die regulären Einheiten zogen am 22. August wieder ab. Zurück blieben die ungarischen Panduren, die als raub- und plünderungssüchtig gefürchtet waren. Noch in derselben Nacht zündeten sie die Stadt an zwei entgegengesetzten Punkten an und warfen brennende Pechkränze in die Häuser. Niemand durfte löschen. Erst nach wiederholtem Bitten erlaubte man den Einwohnern zu retten, was noch zu retten war. Auf rund 6.000 Gulden beliefen sich die Schäden.

Dieser Brand veränderte das mittelalterliche Stadtbild. Am 16. Juli 1707 konnte die notdürftig instandgesetzte Kirche erneut eingeweiht werden. Das Schaumburger Schloss und die Pflegveste aber waren dem Verfall preisgegeben und auch die Fortifikation erlangte nie mehr ihre ursprüngliche Wehrhaftigkeit. Bis 1715 stand Traunstein unter kaiserlich-österreichischer Verwaltung. Dennoch, die Stadt erholte sich und nahm im weiteren Verlauf des 18. Jahrhunderts das typische Ambiente vieler Inn-Salzach-Städte an – mit Laubengängen, Erkern und den charakteristischen hochgezogenen Scheinfassaden.

Eine einschneidende Neuerung brachte das ausgehende 18. Jahrhundert für die Saline. 1782 betraute Kurfürst Karl Theodor den Schweizer Salinenexperten Johann Sebastian Clais (1742–1809) damit, den Betrieb grundlegend zu modernisieren. Sichtbarstes Zeichen war das 1786/87 fertiggestellte kreuzförmige Sudhaus, benannt nach seinem Auftraggeber. Hinzu kamen weitere Neubauten wie Brunnhaus und Magazingebäude. Die jährliche Salzerzeugung stieg um durchschnittlich 30.000 Zentner an – bei deutlich geringerem Holzverbrauch. Das Aussehen der salinarischen Gesamtanlage hatte sich nachhaltig gewandelt, ihr Bestand aber war für weitere 100 Jahre gesichert.

Die älteste erhaltene Teilansicht des Traunsteiner Stadtplatzes bildet die nach dem Brand von 1704 neu errichtete Kirche Sankt Oswald und die südliche Häuserzeile ab. (Votivtafel, 1742, Wallfahrtskirche Maria Kirchenthal, Sankt Martin bei Lofer / Land Salzburg)

Der Stadtbrand von 1851

Das 19. Jahrhundert, als Epoche bereits beginnend mit der französischen Revolution, bescherte Deutschland und besonders Bayern eine völlig neue Zeit. Der mittelalterliche Ständestaat wurde abgeschafft. Abteien und Klöster wurden aufgehoben, ihre Besitztümer verstaatlicht.

Im Dezember 1800, nach der Schlacht bei Hohenlinden, besetzten französische Truppen Traunstein; es sollte nicht die letzte Belastung durch die Napoleonischen Kriege sein. Entsprechend euphorisch feierte man, nachdem Bayern die Seiten gewechselt und sich mit Frankreich verbündet hatte, am 9. Januar 1806 auf dem Stadtplatz die Proklamation Maximilians zum König. Nicht einmal ein halbes Jahr später musste das Kapuzinerkloster seine Pforten für immer schließen. 1808 verlor die Stadt durch die Konstitution, die erste bayerische Verfassung, den Großteil ihrer althergebrachten Rechte, unter anderem die niedere Gerichtsbarkeit. Magistratsräte und Gemeindebevollmächtigte ersetzten nun den Inneren und Äußere Rat. Allen Widrigkeiten zum Trotz: Traunstein blieb auch weiterhin Verwaltungszentrale und Handelsmittelpunkt des Chiemgaus, letzteres umso mehr, seit 1816 die Grenze zu Österreich nach Osten an die Salzach verlegt worden war. Überregionale Bedeutung hatte neben der Saline die Schranne, der wöchentliche Getreidemarkt auf dem Stadtplatz, nach München und Erding der drittgrößte im Königreich, noch vor Landshut, Rosenheim oder Ingolstadt.

Ein beschauliches biedermeierliches Leben hatte sich ausgebreitet, dem eine der größten Katastrophen der Stadtgeschichte ein jähes Ende bereitete. In der Nacht vom 25. auf den 26. April 1851 brach in einem Stadel vor dem oberen Tor ein Brand aus. Starker Wind verbreitete die Glut in rasender Geschwindigkeit; die Stadt wurde ein Raub der Flammen. Das Feuer zerstörte annähernd 100 Häuser, unter ihnen Rathaus, Landgericht, Hauptsalzamt und Rentamt, die Kirche sowie sämtliche Tore und Türme; an die 700 Bewohner waren obdachlos. „Traunstein, das schöne Traunstein liegt in Asche!“, meldete erschüttert der Münchner Volksbote. Doch wie schon nach 1704 gelang es auch dieses Mal, die Stadt innerhalb weniger Jahre wieder aufzubauen. Aus nah und fern traf Hilfe ein. Selbst der 1848 resignierte König Ludwig I. wies 3.000 Gulden aus seiner „Cabinettscasse“ an. Unter Wahrung der historischen Anlage entstand der – heute als Ensemble denkmalgeschützte – neue Stadtplatz. Vor allem die Verwaltungsgebäude, unter ihnen das ab 1855 für 30.000 Gulden errichtete Rathaus, setzten architektonische Akzente. Am längsten zog sich die Renovierung der Oswaldkirche hin; noch Anfang der 1880er-Jahre zeigten Fotografien den ruinösen, teilweise eingestürzten Turm mit Notdach. Die Gestaltung des Innenraumes sowie die Ergänzung und Anschaffung des Inventars waren erst Anfang des 20. Jahrhunderts abgeschlossen.

Ansicht der Stadt Traunstein, im Vordergrund die Saline (Kupferstich, Johann Michael Probst, Augsburg, 1793, Stadtarchiv Traunstein, Urkunde Nr. 1659)

Technisierung und Expansion


Nur kurz bremste 1854 eine Cholera-Epidemie, die immerhin 71 Opfer forderte, den Aufschwung. Seinen entscheidenden Impuls erhielt er durch den Bau der Eisenbahnlinie München–Salzburg, die am 12. August 1860 feierlich eingeweiht wurde. Sie ersparte Traunstein das Schicksal vieler alter Handelsmetropolen, die abseits des neuen Transportmittels in einen Dornröschenschlaf verfielen. Zugleich wurde auch der Grundstein für eine künftige städtebauliche Entwicklung zwischen der Altstadt und dem im Westen errichteten Bahnhof gelegt.

Ein Großteil dessen, was das heutige Traunstein ausmacht, hat seine Wurzeln in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Gebildete und vorausschauend handelnde Bürgermeister wurden ihrer Verantwortung gerecht. In die Amtszeiten von Jakob Prandtner (1857–1872), Josef Wispauer (1873–1878) und Joseph Ritter von Seuffert (1878–1909) fielen der Aufbau der weiterführenden Schulen, der Handels- und Gewerbeorganisationen und des Bankwesens, die Gründung der Feuerwehr (1859) und der Stadtwerke (1893) und die Anfänge der lokalen Presse: Dem am 1. Juli 1855 erstmals erschienenen Traunsteiner Wochenblatt folgten 1882 die Traunsteiner Nachrichten. Ein florierendes Vereinswesen belebte das gesellschaftliche Leben. Der Turnverein, der ab 1864 den Sport als bisher unbekannte Freizeitbeschäftigung etablierte, der 1891 gegründete St. Georgs-Verein, der eine im 18. Jahrhundert verbürgte Pferdewallfahrt zur Ettendorfer Kirche neu belebte, und der Verein „Bürger-Eintracht“, der die „Unterhaltung mit Musik und Gesang“ pflegte, seien stellvertretend genannt. Auch die Kultur trat nun mehr und mehr in Erscheinung. Das Stadttheater etwa lud regelmäßig zu seinen Vorstellungen ein, und das Publikum machte von diesem Angebot gerne Gebrauch. Die bunte Palette reichte von Goethes „Faust“ über die „Geierwally“ bis hin zum deftigen bäuerlichen Volksstück.

Den positiven Gesamteindruck trübte am 28. März 1868 ein Aufruhr militärpflichtiger Bauernburschen, die, aufgehetzt von antipreußischen Parolen, das Rathaus verwüsteten und Traunstein landesweit in die Schlagzeilen brachten. „Die Achtung vor dem Gesetz und dessen Vertretern, wodurch sich gebildete Stämme vor ander[e]n auszeichnen, ist bei uns ohnehin nicht eingebürgert.“ Wenig schmeichelhaft, ja geradezu vernichtend kommentierte das Wochenblatt diese „viehische Rohheit und Ausgelassenheit“. Als Ludwig Thomas „Krawall“ ging der Vorfall in die bayerische Literaturgeschichte ein.

Ungeachtet dessen führte der Weg in den Jahren nach der Reichsgründung weiterhin steil bergauf. 1876 verlieh König Ludwig II. der Stadt, auch in Anerkennung ihrer gewaltigen Aufbauleistung, das Recht der „unmittelbaren Unterordnung unter die königliche Kreisregierung“. 1893 wurde die erste elektrische Straßenbeleuchtung installiert, 1895 die Lokalbahn nach Ruhpolding dem Verkehr übergeben, 1897 im Rathaus das erste öffentliche Telefon in Betrieb genommen. Die aus bescheidenen Anfängen gewachsene evangelisch-lutherische Gemeinde bekam 1899 mit der Auferstehungskirche einen geistlichen Mittelpunkt. Am 13. September desselben Jahres wurde die Stadt von einem Hochwasser bislang nicht bekannten Ausmaßes heimgesucht. Die Vorstädte und die Au wurden überflutet, sämtliche Brücken und Stege weggerissen. Umfassende Maßnahmen zur Regulierung der Traun waren die Folge. Sie waren der entscheidende Anstoß für den technischen Hochwasserschutz, der bis hinein in unsere Tage den sich ändernden Gegebenheiten angepasst und verbessert wird. Denn nach wie vor darf man die Gefahren, die dieser Gebirgsfluss in sich trägt, nicht unterschätzen. Starker Regen lässt das harmlose Rinnsal binnen Stunden bis an die Kronen seiner Dämme anschwellen.

 

 

   

Traunstein, mein Ruheposten


Im Verlauf von 80 Jahren hatte sich die Einwohnerzahl mehr als vervierfacht: von rund 1.700 (1822) über 3.100 (1861) auf 7.400 (1905). Verantwortlich für diesen immensen Zuwachs war eine aktive Ansiedelungspolitik. Unter anderem warb man mit der Broschüre „Traunstein, mein Ruheposten“ erfolgreich um den Zuzug gut betuchter Pensionäre aus ganz Deutschland. Diese Neubürger waren es auch, die einen Großteil der viel bewunderten Jugendstilvillen in den städtischen Außenbezirken errichteten. Im Einklang damit stand das Bestreben, Traunstein den Charakter eines Kurortes zu verleihen. Zum 1844 erbauten Kurhaus am Klosterberg und dem 1848 privatisierten Wildbad in Empfing gesellten sich um 1890 das Marienbad in der Sonnenstraße (heute Ludwig-Thoma-Straße) und 1912 das Prinz-Ludwig-Heim. 1905 renovierte man die 1875 eröffnete Schwimm- und Badeanstalt, 1913 wurde von der Stadt Reichenhall eine gebrauchte Wandelhalle angekauft und an der Haslacher Straße aufgestellt. Die Übernachtungszahlen stiegen stetig an und in den Jahren 1936 und 1938 wurden die Anstrengungen mit den Prädikaten „Luft- und Kneippkurort“ belohnt. Nach einer langen und kontrovers diskutierten Planung und Standortsuche wurde 1908 der neue Waldfriedhof drei Kilometer nördlich des Zentrums im Stadtteil Haid eingeweiht. Der alte Gottesacker hatte, bedingt durch den rapiden Bevölkerungsanstieg, die Toten nicht mehr aufnehmen können.

1910 fasste die Kammer der Abgeordneten des Landtags einen folgenschweren Beschluss. Die auf mehrere Standorte verteilte bayerische Salzindustrie sollte zentralisiert werden. Obwohl in der Au ab 1870 mit Hilfe einer fünften Pfanne bis zu 200.000 Zentner jährlich produziert wurden, ging man aus dem Wettbewerb mit den Nachbarsalinen in Reichenhall und Rosenheim trotz heftiger Gegenwehr als Verlierer vom Platz. Am 29. Juni 1912 war die „Traunsteiner Salzgeschichte“ unwiderruflich zu Ende. 1914 wurde die Au eingemeindet, die Saline diente im Ersten Weltkrieg als Lager für Zivil- und Kriegsgefangene mit über 1.000 Insassen. Den Wachmannschaften der letzten Kriegstage, von einem Zeitgenossen als „faul, zuchtlos, anspruchsvoll und frech“ charakterisiert, gehörte auch ein damals noch unbekannter Gefreiter namens Adolf Hitler an. Am 8. Dezember 1922 hielt er in der überfüllten Halle des Turnvereins seine erste von insgesamt drei Reden in Traunstein.

Spuren der Zeitgeschichte

„Zu einer imposanten Kundgebung patriotischen Empfindens gestaltete sich die gestrige Abschiedsfeier der Traunsteiner Krieger“ berichtete das Wochenblatt am 4. August 1914. Nur wenige Tage später musste es den „Tod des ersten Traunsteiner Feldzüglers“ vermelden; auf knapp 300 sollte die Zahl der Opfer in den nächsten vier Jahren anwachsen. Das neue Städtische Krankenhaus an der Cuno-Niggl-Straße wurde zum Lazarett des Roten Kreuzes und konnte erst 1919 wieder mit zivilen Patienten belegt werden. Das Ende des Ersten Weltkrieges bedeutete zugleich das Ende des Kaiserreiches. Den Wirren von Revolution und Räteregierung folgte die kurze Ruhephase der Weimarer Republik. 1919 entwaffnete die Einwohnerwehr des Chiemgaus den in der Stadt stationierten Soldatenrat. Im selben Jahr ersetzte ein Stadtrat das seit Jahrhunderten bestehende Zweikammersystem. Eine seiner ersten Verfügungen war die Herausgabe von Notgeld, das als Zahlungsmittel bis 1923 Gültigkeit hatte. Den Goldenen Zwanzigern trug man 1926 mit einem prunkvollen Stadtjubiläum Rechnung; 800 Jahre wurden gefeiert. Der höchst zweifelhafte historische Bezug wird dem aufmerksamen Leser nicht entgangen sein.

Die Wahlergebnisse dieser Zeit zeigen, dass die Traunsteiner Bevölkerung zwar einem nationalkonservativen Kurs zuneigte, nicht aber dem aggressiven antiparlamentarischen Nationalismus Hitlers. Nie erreichte die NSDAP im Stadtgebiet die Stimmenzahl der Bayerischen Volkspartei. Dennoch wehte auch hier am 10. März 1933 die Hakenkreuzfahne vom Rathaus. Eine 1922 gegründete Ortsgruppe der Nationalsozialisten hatte den Boden für die lokale Machtübernahme bereitet, der 1933 zunächst der Stadtrat und die politischen Parteien und 1935 Bürgermeister Dr. Georg Vonficht weichen mussten. Von der Gleichschaltung betroffen waren sämtliche Lebensbereiche, Vereine, Verbände und zuletzt auch die lokale Presse. Man arrangierte sich mit den Verhältnissen, nur wenige fanden die Kraft zu offenem Widerstand: Stadtpfarrer Josef Stelzle wurde kurzzeitig in Schutzhaft genommen, Rupert Berger, Ortsvorsitzender der BVP und 1946 erster gewählter Nachkriegsbürgermeister, nach Dachau eingeliefert und dort schwer misshandelt, ebenso Hans Braxenthaler, der aufrechte Kommunist und Gewerkschaftler, der 1937 von der Gestapo in den Selbstmord getrieben wurde. Im November 1938 wurden die jüdischen Mitbürger aus Traunstein vertrieben; Traunstein war „judenfrei“.

Die 1935 bezogene Kaserne der Reichswehr an der Wasserburger Straße war gleichsam ein Vorbote auf das bevorstehende Unheil des Zweiten Weltkrieges. 1939 hatte Traunstein etwa 11.500 Einwohner; sechs Jahre später mussten 523 von ihnen als gefallen, 73 als vermisst registriert werden. Schwere Bombenangriffe zerstörten im April 1945 das Bahnhofsviertel und forderten über 100 Menschenleben. Am 2. Mai 1945 durchquerte ein Zug mit jüdischen KZ-Häftlingen Traunstein. Tags darauf wurden 61 von ihnen in einem Wald bei Surberg von den SS-Wachmannschaften ermordet, nur einer überlebte das Massaker. Zeitgleich besetzten amerikanische Truppen die Stadt. Die kampflose Übergabe war der Vernunft und Einsicht einiger weniger zu verdanken, die unter Einsatz ihres Lebens die bereits vorbereitete Sprengung sämtlicher Brücken verhinderten.

Staub und Rauch verdüsterten die menschleere Stadt Traunstein, als die Alliierten am 18. April 1945 gegen 15 Uhr den Bahnhof bombardierten. (Fotografie, Josef Geisenfelder, Traunstein Stadtarchiv Traunstein, Bü 310)

Im Herbst 1946 besuchte ein Gruppe amerikanischer Zeitungsverleger und Journalisten Traunstein. Maurice Early fasste deren Eindrücke in einem Kommentar für den „Indianapolis Star“ unter dem Titel „Prewar Reich Haven Now Madhaus City“ (Vor dem Krieg eine Oase im Dritten Reich – jetzt ein Irrenhaus) wie folgt zusammen: „Dies war einmal eine ruhige kleine Stadt an den malerischen Vorbergen der bayerischen Alpen. Der Krieg und seine Folgen verwandelten sie in ein übervölkertes Irrenhaus hoffnungsloser Bewohner.“ Evakuierte, Flüchtlinge und Vertriebene suchten Zuflucht und überschwemmten die Stadt. 16.500 Menschen zählte die Gesamtbevölkerung 1945, ein Jahr später waren es 19.000. Nahezu alle öffentlichen und viele private Gebäude waren als Lazarett oder Lager zweckentfremdet. Die Kaserne beherbergte zeitweise über 2.000 jüdische „Displaced Persons“. Angeleitet von der Besatzungsmacht wurde mit den Kommunalwahlen am 27. Januar 1946 der Weg zur Demokratisierung der Gesellschaft beschritten und mit der Währungsreform am 20. Juni 1948 setzte der wirtschaftliche Aufschwung ein, zunächst noch zaghaft, doch: „Ein neuer Anfang ist […] gemacht, ein Anfang, der uns hoffen läßt.“ Diese im Südost-Kurier, der von den Amerikanern lizensierten Zeitung geäußerte Hoffnung sollte sich bestätigen.

Schritt für Schritt gelang es, die Probleme der Nachkriegszeit zu bewältigen. Nördlich der Bahnlinie entstand der Stadtteil „Neu-Traunstein“, der schon 1952 eine eigene Kirche bekam. Von Oberammergau erwarb man eine Ausstellungshalle, die während der Passionsspiele zur Präsentation sakraler Kunst gedient hatte, und gestaltete sie zu einem Gotteshaus um. Am 1. Januar 1960 wurde Heilig Kreuz zur Pfarrei erhoben. 1957 hielt die Bundeswehr Einzug in die Kaserne an der Wasserburger Straße; Traunstein war (bis 1997) erneut Garnisonsstadt.

Historische Ansichten aus den Bereichen der vormals selbstständigen Gemeinden (von links oben im Uhrzeigersinn) Haslach, Hochberg, Kammer und Wolkersdorf. (Künstlerpostkarten nach Zeichnungen von Richard Wagner (Haslach) und Markus Schreiber, Traunstein, um 1905, Stadtarchiv Traunstein PK 233, 305, 347 und 1459)

Traunstein ab den 1960er-Jahren


1960 hatte sich die Bevölkerung bei rund 15.000 eingependelt; bis 1970 sank sie auf knapp unter 14.000. Die Eingemeindung von Haslach, Hochberg, Kammer und Wolkersdorf 1972 bzw. 1978 ließ die Stadt in ihrer Fläche von bislang etwas über zehn auf 48,5 Quadratkilometer beachtlich anwachsen. Die Einwohnerzahl lag nun bei rund 17.000; 2016 überschritt sie die Grenze von 20.000. Mit Kammer wurde zudem auch ein weit über die Grenzen der Stadt hinaus berühmter Künstler ein Traunsteiner – zumindest posthum: Balthasar Permoser (1651–1732), einer der bedeutendsten Bildhauer des Barocks. In einer Liste der Persönlichkeiten, die man mit Traunstein in Verbindung bringen kann, ist vor ihm vielleicht noch der Skilangläufer Tobias Angerer, der bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen elf Medaillen gewann und zweimal den Gesamtweltcup für sich entschied, zu nennen, sicher aber Joseph Ratzinger, der im benachbarten Surberg aufwuchs, in Traunstein das Gymnasium besuchte, im Priesterseminar auf der Wartberghöhe wohnte und 1951 in Sankt Oswald Primiz feierte. Seit seiner Wahl zum Papst am 19. April 2005 ist Traunstein die „Vaterstadt“ von Benedikt XVI. Am 16. Juni 2005 verlieh ihm der Stadtrat die Ehrenbürgerwürde.

Es ist hier nicht der Ort, näher auf Traunsteins Werdegang nach 1945 einzugehen. Zu groß ist die ständig zunehmende Dichte der Ereignisse, zu gering die historische Distanz des Autors. Hervorzuheben ist die denkmalgerechte Sanierung bzw. der Neubau von Rathaus, Landgericht und Salzmaieramt 1995 bis 1998, fraglos ein „Meilenstein in der Entwicklung Traunsteins“. Dem parallel dazu neu gestalteten Stadtplatz verlieh der „Jacklturm“ eine besondere Note. Nach 150 Jahren war der vormalige untere Turm wieder auferstanden. Diese aufwändigen Projekte sollten auch einem Problem vorbeugen, an dem in unseren Tagen viele vergleichbare Kommunen leiden: dem langsamen Ausbluten der Innenstädte. Der Salinenpark in der Au, vom Förderverein Alt-Traunstein gegen die lauten Rufe nach baulicher Verdichtung durchgesetzt und 2019 mit Unterstützung eines honorigen Gönners verwirklicht, erinnert an die Salzgeschichte und ist ein (inzwischen willkommener) Ruhepol inmitten hektischer Betriebsamkeit. Und mit dem Campus Chiemgau entstehen in den nächsten Jahren auf dem Gelände rund um den Bahnhof unter Federführung des Landkreises ein neuer Hochschulstandort der Technischen Hochschule Rosenheim sowie Akademien der Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer.

Wer mehr wissen möchte, dem sei ein Blick auf die Internetseite der Stadt Traunstein empfohlen. Dort informiert eine ständig fortgeschriebene Zeittafel auch über die Daten zur neueren Stadtgeschichte. „Traunstein [vertritt] die ländliche Einfalt“ – dieser Mitte des 19. Jahrhunderts von dem Maler, Schriftsteller und Ethnografen Joseph Friedrich Lentner (1814–1852) geäußerten Ansicht wird man sich danach kaum anschließen; dem Logo einer Imagebroschüre von 2010, wonach Traunstein das „Herz des Chiemgaus“ (war und) ist, hingegen schon. Dass es so bleibt, wird die Aufgabe der Zukunft sein.

Blick über Traunstein in Richtung Berge und Chiemsee (Luftbild von Tanja Ghirardini, Chieming, 2019)

Sie haben Fragen?

um 790
Güterverzeichnisse der Salzburger Kirche weisen Besitzungen ad Trun, der Gegend um das heutige Traunstein, aus
10. / 11. Jahrhundert
Kette von Wehranlagen (Burgställe) östlich der Traun zwischen Traunstein und Siegsdorf
circa 1120 bis 1242
Adelsgeschlecht der de Truna
um 1140
Nennung eines Otto von Hasilach (Priester)
1245
Erste Erwähnung von Trauwenstain
1275
Der Chiemgau und mit ihm Trovnstein fallen endgültig von Salzburg an Bayern; Verlegung der Mautstelle von Lauter nach Travnstain
Anfang 14. Jahrhundert
Erhebung zur Stadt („Gründungsstadt der Wittelsbacher)
1314
Ein „Rat“ der Stadt wird urkundlich aufgeführt
1342
Älteste Urkunde des Stadtarchivs nennt die Kirche St. Oswald am Stadtplatz
1359
Gewährung weitreichender Salzhandelsprivilegien („Niederlags- und Stapelrecht“)
1361
Nennung der Herzogsburg „Veste“
1375
Schriftliche Bestätigung der Stadtrechte „weillen ir brief verbrunnen“ sind (Erwähnung eines nicht näher bezeichneten Brandunglücks)
1400
Scheibenpfennig – ein Pfennig Zoll für jede in Traunstein gelagerte „Scheibe“ Salz (Maßeinheit, etwa 68 Kilogramm)
1452
Erbauung der Kirche St. Johannes in Kammer, heute das älteste, noch im Originalzustand erhaltene Gotteshaus im Stadtbereich
1486
Rathaus in einer Rechnung der Stadtkammer erstmals erwähnt („ze haken das prennholtz in das Rathaus“)
1493
Pflasterung der städtischen Straßen und Gassen
1510
Neue Ratswohlordnung führt erstmalig das Amt eines Bürgermeisters auf
1526
Lindlbrunnen am Stadtplatz errichtet
1568
Verstaatlichung des Salzhandels
1617 bis 1619
Bau der Soleleitung von Reichenhall nach Traunstein durch Vater und Sohn Hans und Simon Reiffenstuel
1619
Am Oswaldtag (05. August) nimmt die neue staatliche Saline in der Au ihren Betrieb auf
1630
Erstes Schulhaus an der nördlichen Turmseite der Oswaldkirche wird abgerissen und in die Schaumburgerstraße verlegt
1631
Bau der Salinenkapelle
1635
Pestepidemie kostet 117 Menschen (etwa einem Zehntel der Stadtbevölkerung) das Leben
1639
Friedhof westlich vor den Toren der Stadt um die (vom Stadtplatz dorthin verlegte) Kirche St. Georg und Katharina
1687 bis 1690
Erbauung des Kapuzinerklosters mit seiner der Allerheiligsten Dreifaltigkeit geweihten Kirche (heute Kulturforum Klosterkirche mit Städtischer Galerie)
1704
Im Spanischen Erbfolgekrieg liegen ungarische Panduren die Stadt in Brand (erster Stadtbrand der Neuzeit)
1785 bis 1787
Erbauung des Karl-Theodor-Sudhauses
1800
Französische Truppen besetzen die Stadt
1808
Postexpedition am Stadtplatz
1850
Verlegung des Pfarrsitzes von Haslach nach St. Oswald
1851
Eine verheerende Brandkatastrophe zerstört nahezu die gesamte Altstadt (zweiter Stadtbrand der Neuzeit)
1854
71 Menschen sterben an Cholera
1855
Lokalzeitung „Traunsteiner Wochenblatt“ erscheint
1859
Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Traunstein auf Initiative von Anton Miller
1860
Anschluss an das Eisenbahnnetz auf der Hauptstrecke München – Salzburg
1875
Eröffnung einer Schwimm- und Badeanstalt an der Siegsdorfer Straße
1891
Gründung des Sankt-Georg-Vereins
1895
Lokalbahn Traunstein – Ruhpolding eröffnet
1897 bis 1899
Erbauung der evangelischen Auferstehungskirche
1899
Jahrhundert-Hochwasser überschwemmt die Au, den Vorberg, die Wiese und Heilig Geistig
1912
Auflassung der Saline
1914
Eingemeindung der Au
1919
Rote Revolutionsfahne am Rathaus; Einwohnerwehr entwaffnet den Grenzschutz und verhaftet die Soldatenräte
1922
Ortsgruppe der NSDAP gegründet
1933
Gleichschaltung des Stadtrates; späterer Bürgermeister Rupert Berger im KZ Dachau
1938
Traunstein wird „judenfrei“ gemeldet
1944
Luise Rinser in Traunstein inhaftiert (Gefängnistagebuch“)
18. April 1945
Schwere Bombenangriffe auf das Bahnhofsviertel fordern über 100 Menschenleben
02. Mai 1945
Jüdische KZ-Häftlinge durchqueren Traunstein; einen Tag später werden sie bei Surberg ermordet
03. Mai 1945
Kampflose Übergabe der Stadt an US-Truppen
1946
Erstes Stadtratskollegium der Nachkriegszeit; Rupert Berger (CSU) zum Bürgermeister gewählt
1948
Die Stadt wird kreisfrei (bis 1972); Wahl Rupert Bergers zum Oberbürgermeister
1949
circa 2.500 Flüchtlinge suchen eine neue Heimat
1952
Josef Kößl (UW) wird zum Oberbürgermeister gewählt
1957
Traunstein wird Bundeswehrstandort
1960
Heilig-Kreuz wird zur zweiten Pfarrei der Stadt erhoben; Wahl Wilhelm Stegers (UW) zum Oberbürgermeister
1972
Verlust der Kreisfreiheit; Eingemeindung von Hochberg und Kammer; Wahl Rudolf Wamslers zum Oberbürgermeister als gemeinsamer Kandidat von UW und CSU
1976
Städtepartnerschaft mit Gap in Frankreich
1977
Eröffnung des Kulturzentrums im Stadtpark
1978
Eingemeindung von Haslach und Wolkersdorf; Vergrößerung der Einwohnerzahl auf 17.000 und des Stadtgebiets auf 48,5 Quadratkilometer
1979
Einweihung der neuen Feuerwache der Freiwilligen Feuerwehr
1980
Inbetriebnahme der Kläranlage am Traunufer in Empfing
1984
Städtepartnerschaft mit Wesseling am Rhein
1985
Start der Wasserversorgung aus der Laubau bei Ruhpolding
1986
Städtepartnerschaft mit Pinerolo in Italien
1990
Fritz Stahl (SPD) zum Oberbürgermeister gewählt
1992
Übernahme des Stadtkrankenhauses in die Trägerschaft des Landkreises
1993
Städtepartnerschaft mit Haywards Heath in Großbritannien
1995
Bayerische Landesausstellung „Salz – Macht – Geschichte“ in Traunstein
1995 bis 1998
Sanierung und Neubau des Rathaus-Komplexes
1997
Abzug der Bundeswehrgarnison aus Traunstein
1999
Einweihung des umgestalteten Stadtplatzes
2000
Einweihung des wieder aufgebauten Jacklturms, ein Wahrzeichen der Stadt; Eröffnung der Südspange mit ihrer markanten „Baumstützenbrücke“ über die Traun
2002
Jahrhundert-Hochwasser verursacht schwere Schäden, aber die Dämme in Traunstein halten
2006
Papst Benedikt XVI. wird Ehrenbürger seiner „Vaterstadt“ Traunstein
2008
Wahl Manfred Kösterkes (UW) zum Oberbürgermeister
2012
Einweihung der Nordumfahrung mit dem Ettendorfer Tunnel
2013
Eröffnung des Sportparks Empfing
2014
Wahl Christian Kegels (SPD) zum Oberbürgermeister
2015
Traunstein knackt die 20.000-Einwohner-Marke; Vergabe der Landesgartenschau an die Große Kreisstadt
2016
Bürgerentscheid verhindert die Ausrichtung der Landesgartenschau 2022
2019
400 Jahre Salzgeschichte – Eröffnung des Salinenparks in der Au
2020
Wahl Dr. Christian Hümmers (CSU) zum Oberbürgermeister (gemeinsamer Kandidat von CSU und UW)

Ob die Frauenkirche in München, das Brandenburger Tor in Berlin oder der Eiffelturm in Paris – in fast jeder Stadt gibt es Bauwerke, die für sie typisch sind und mit der sich ihre Bewohner identifizieren. Natürlich hat auch Traunstein seine Wahrzeichen: Stolz sind die Traunsteiner vor allem auf ihren Lindl-Brunnen, der seit 1526 auf dem Stadtplatz steht. Weitere Wahrzeichen der Stadt sind der Jacklturm und das Eisenbahnviadukt über die Traun. Auf den folgenden Seiten hat das Stadtarchiv für Sie ausführliche Informationen über die Wahrzeichen der Stadt Traunstein zusammengestellt:

Der verheerende Stadtbrand in der Nacht vom 25. zum 26. April 1851 hatte auch den Jacklturm zerstört, und zwar, wie die Akten sagen, „irreparabel“. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er zu den wichtigsten Geschichtsdenkmälern der Stadt gehört, ein Eckpfeiler ihres Grundrisses, 1548 nach einem Blitzeinschlag abgebrochen und neu aufgebaut, nach dem Brand von 1704 umfassend erneuert. Der Turm schloss den steil nach Osten abfallenden Zugang zum Stadthügel wehrhaft ab. Seine strategische Position war topographisch plausibel und städtebaulich prägnant, er hatte dem lang gestreckten Stadtplatz zusammen mit seinem Gegenstück, dem oberen Turm, eine klare Ausrichtung gegeben.

Gegen erheblich Widerstände verfügte die Regierung von Oberbayern am 23. August 1851, dass der Rest des Jacklturms sammt dem Thorbogen gänzlich abzutragen sei, obwohl sich unter anderem der Heimatforscher Mathias Büchele sogar in zwei Artikeln einer vielgelesenen Münchner Tageszeitung für den Erhalt einsetzte. Doch vergessen haben die Traunsteiner „ihren Jacklturm“ seither nie. Noch beim Festzug während der 800-Jahr-Feier 1926 wurde ihm ein eigener Motivwagen gewidmet. Und als die Überlegungen zur Neugestaltung des Stadtplatzes Gestalt anzunehmen begannen, gründeten 1983 engagierte Bürger und Heimatfreunde den „Förderverein Alt-Traunstein“, dessen erklärtes Ziel seine Wiedererrichtung war. Lange, oftmals schwierige Vorarbeiten, Gespräche und Planungen waren vonnöten, bis es 1998 soweit war. Nach Plänen von Rudolf Simhofer, Stadtbaumeister a.D., begannen die Bauarbeiten, und am 20. Mai 2000 wurde der Turm, dessen äußere Gestaltung sich an den vorhandenen historischen Grundlagen orientiert, festlich eingeweiht.

Nach fast 150 Jahren wurde damit die letzte verbliebene Baulücke des Brandes von 1851 geschlossen, und mit Fug und Recht kann behauptet werden: Das Werk ist gelungen – so gut, dass die meisten der Turmgegner „vom Saulus zum Paulus wurden“. Unklar bleibt jedoch nach wie vor die Herkunft der Bezeichnung „Jacklturm“, die erstmals 1787 in einem Verzeichnis aller städtischen Gebäude Verwendung fand. Sämtliche Deutungsversuche dieses Spitznamens verliefen bislang im Sande.

Archäologische Grabung im Bereich der ehemaligen Veste. (Foto: Jochen Scherbaum, Bamberg, 2006)
Archäologische Grabung im Bereich der ehemaligen Veste. (Foto: Jochen Scherbaum, Bamberg, 2006)

Bis in das 19. Jahrhundert hinein sicherten drei Brunnen auf dem Stadtplatz die Versorgung der Bürger mit Wasser und waren zudem zentrale Orte der Kommunikation und des sozialen Lebens. Gemäß ihrer Lage wurden sie in den frühesten Dokumenten schlicht als „oberer, mittlerer und unterer Brunnen auf dem Platz“ bezeichnet. Der obere oder Fischbrunnen befand sich bis 1884 zwischen Oswaldkirche und Heimathaus, eine einfache, quadratische Anlage mit türmchenartiger Mittelsäule, deren Becken als Fischkalter diente. Der untere oder Florianibrunnen, 1549 erstmals genannt und zunächst ganz aus Holz, wurde 1679 neu aus rotem Marmor gestaltet und erhielt 1767 anstelle der aufgemalten Floriansfigur an der Säule dessen Bildnuss […] von aichenen Holz darauf gesetzt. 1894 musste er dem monumentalen Luitpold- oder Trunabrunnen weichen, der wiederum in den 1940er Jahren den Kriegsmetallsammlungen zum Opfer fiel. Der moderne Erlebnisbrunnen des Gautinger Künstlers Dieter Clarenbach setzt als Abschluss der Sanierung und Neugestaltung des Stadtplatzes seit 1999 die unterbrochene Brunnentradition an dieser Stelle fort.

Einziger Überlebender des historischen Dreigestirns ist der mittlere oder Lindlbrunnen. Die lebensgroße Figur schuf 1526 „Meister Stephan“ (sehr wahrscheinlich handelt es sich um den bekannten Landshuter Bildhauer und Steinmetz Stephan Rottaler) aus rotem Ruhpoldinger Marmor, Brunnstube und Umgriff aus Eichenholz wurden jedoch erst 1646 durch weissen Märblstain ersetzt. Aus der Mitte des achteckigen Brunnenbeckens erhebt sich eine Balustersäule mit Frührenaissancekapitell. Am Schaft sind vier Wappenschilde angebracht: südlich die bayerischen Rauten, westlich der Pfälzer Löwe, nördlich das Stadtwappen, östlich das des Herzogtums Baden (Heimat der Gemahlin des damals regierenden Herzogs Wilhelm, Jacobäa). Bekrönt wird sie von einem Ritter in mailändischer, auch burgundisch oder maximilianisch genannter Rüstung. In der rechten beschienten Hand hält er ein auf dem Boden abgestütztes Schild, das mit dem Reichsadler und dem Entstehungsjahr geziert ist, in der ebenfalls beschienten Linken trägt er eine mit dem Stadtwappen bemalte Renn- oder Reiterfahne aus Schmiedeeisen. Die selbstbewusste Ritterfigur kann mit einigem Recht als Symbol des erstarkenden Bürgertums des 16. Jahrhunderts interpretiert werden. Stets wurde sie nur als märbelstainerner Mann auf dem Brunnen bezeichnet. Der Name „Lindl“ (auch: Liendl) findet erst im 19. Jahrhundert Verwendung, seine Deutung ist so einfach wie unspektakulär. Schmellers Bayerisches Wörterbuch definiert ihn allgemein als (scherzhafte) Bezeichnung einer männlichen profanen Statue.

Eine kleine archäologische Sensation ist der im Zuge der Stadtplatzsanierung 1998 gefundene Schacht, ein Schöpf- oder Ziehbrunnen aus der Zeit der Stadtgründung um 1300. Er ist als Vorläufer des Lindlbrunnens zu sehen. Sein Aufbau wurde 1525 abgebrochen. Der aufgelassene Brunnen hatte wohl noch etwa ein Jahrhundert als stille Reserve Bestand, bevor er im 17. und 18. Jahrhundert als Müllkippe diente und anschließend verfüllt wurde. Die Bergung seines Inhalts brachte Alltagsgegenstände, Münzen und Nahrungsabfälle der frühen Neuzeit zu Tage, die interessante Einblicke in die bürgerliche Sozialgeschichte gewähren. Ein Bronzezylinder mit Glasabdeckung sichert jetzt den spätmittelalterlichen Schacht und gewährt dem Betrachter einen faszinierenden Blick in die Tiefe.

Literatur: JUDITH BADER, Die Brunnen – Zeichen im Platz, in: Der Traunsteiner Stadtplatz, Traunstein 1999, S. 124–137.

Archäologische Grabung im Bereich der ehemaligen Veste. (Foto: Jochen Scherbaum, Bamberg, 2006)
Archäologische Grabung im Bereich der ehemaligen Veste. (Foto: Jochen Scherbaum, Bamberg, 2006)

Viele Standorte in Traunstein und im nähern Umfeld geben den Blick frei auf den mächtigen Viadukt, die Eisenbahnbrücke über die Traun. Imposant überspannt sie mit ihren vier Pfeilern, zwei Widerlagern und den fünf halbkreisförmigen Gewölbebogen das Trauntal. Sie ist 105 Meter lang und rund 25 Meter hoch.

Seit etwa 1854 plante man den Bau einer Eisenbaulinie von München bis Salzburg. Im Januar 1858 konnte im Bereich der königlichen Eisenbahnsektion Traunstein mit dem Bau begonnen werden. Die Eisenbahnbrücke wurde „auf trockenem Boden“, etwa 100 Meter östlich des damaligen Flussbettes der Traun, gebaut. Später leitete man den Fluss so um, dass er unter der neuen Brücke durchfloss. Dieser Kunstgriff war außergewöhnliche und klug, denn dadurch ersparte man sich eine Menge von Problemen, die ansonsten bei Wasserbauten auftraten. Die Arbeiten gestalteten sich dennoch schwierig, und es gab eine Reihe von tragischen Unfällen mit insgesamt zehn Toten und vielen Verletzten. Eine große technische Herausforderung war die Herstellung der vier Fundamente für die Brückenpfeiler, von denen zwei Wasser- und zwei Trockenpfeiler sind. Hier mussten insgesamt 420 Holzpfähle bis in eine Tiefe von fünf Meter bei den Wasser- und vier Meter bei den Trockenpfeilern eingerammt werden. Dies erfolgte mit Muskelkraft, denn damals gab es nur einfache Einschlaghilfen auf Flaschenzugbasis.

Die Brücke selbst ist ein Bruchsteinmauerwerk aus Nagelfluh, ein grobes Kalkkonglomerat aus der tertiären Molasse. Die vier Pfeiler sind massiv aus Nagelfluhquadern erbaut. Die sichtbaren Flächen der Widerlager mit Nagelfluhplatten verkleidet und die fünf halbkreisförmigen Gewölbebögen bestehen aus etwa einem Meter starken Nagelfluhquadern. Die Hohlräume der Gewölbebögen enthalten Schlackenbeton. Daneben fand Grauwacke, ein Naturbaustein mit einer wesentlich höheren Belastungsgrenze als Nagelfluh, Verwendung. Insgesamt sind rund 9500 Kubikmeter Nagelfluhmaterial verbaut worden. Bedenkt man, dass ein Kubikmeter rund 2600 kg wiegt, hat man eine vage Vorstellung davon, welche Kräfte auf die Pfeilerfundamente und auf die Widerlager einwirken. Die Brückendecke, also der Fahrbereich, ist acht Meter breit. Deshalb konnte der ursprünglich als einspurig angelegte Schienenstrang später problemlos auf die zweigleisige Ausführung erweitert werden.

Am 23. Juli 1859 wurde in feierlicher Weise der Schlussstein eingesetzt. Die gesamte Brücke war mit Kränzen, Laubwerk und vielen weißblauen Fahnen geschmückt. Die festliche Einweihung der Bahnstrecke war am Sonntag, 12. August 1860. Ungezählte Züge rollten seither über den Viadukt, und es bleibt zu hoffen, dass ihnen noch zahlreiche weitere folgen werden. Denn dass auch ein solch imposantes Bauwerk nicht für die Ewigkeit errichtet wurde, zeigt der zweite Weltkrieg. Bei den Luftangriffen der Alliierten auf Traunstein verfehlten einige Bomben die Brücke nur haarscharf, und wenige Tage später hatte sie eine Pioniereinheit der Wehrmacht schon zur Sprengung vorbereitet. Einige mutige Bürger Traunsteins konnten dies unter Einsatz ihres Lebens gerade noch verhindern, kurz bevor die Amerikaner die Stadt ohne Widerstand besetzten. Ansonsten wäre Traunstein heute um ein Wahrzeichen ärmer.

Literatur: ALFRED STALLER, Der Viadukt – Wahrzeichen der Stadt Traunstein, in: Jahrbuch des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein 8/1996, S. 7–15.

Archäologische Grabung im Bereich der ehemaligen Veste. (Foto: Jochen Scherbaum, Bamberg, 2006)
Archäologische Grabung im Bereich der ehemaligen Veste. (Foto: Jochen Scherbaum, Bamberg, 2006)

Außerdem Interessantes:

Man muss in Traunstein gewesen sein, um Papst Benedikt XVI. zu verstehen […]. Fern von den großen Städten liegt der Ort vor den Bergen, und noch ein wenig weiter abgelegen liegt das bescheidene Bauernhaus, in dem Joseph Ratzinger Kindheit und Jugend verbrachte. […] Der kleine Joseph ist groß geworden und berühmt, Professor, Bischof, Präfekt der Glaubenskongregation, Papst. Er hat die Welt bereist und ist nun der bekannteste Deutsche der Welt. Aber das Traunstein seiner Kindheit ist in ihm geblieben […] mit seiner bodenständigen Frömmigkeit, mit der Wärme einer Heimat, in die nichts Fremdes, Verunsicherndes, Unheimliches eindringt.“ Treffend und überaus einfühlsam charakterisiert Matthias Drobinski in seinem Leitartikel „Glaube als Gewissheit“, veröffentlicht in der Süddeutschen Zeitung vom 14. April 2007 anlässlich des 80. Geburts¬tags Papst Benedikts, dessen Beziehung zum „Herz des Chiemgaus“. Kürzer und einprägsamer gelang dies nur ihm selbst, als er, damals noch Kardinal, am 12. Mai 2002 bei seinem einzigen offiziellen Besuch Traunsteins äußerte: „Mich und meinen Bruder freut es, unsere Vaterstadt so schön als Heimat erleben zu dürfen.“

„Vaterstadt“ also und „Heimat“, so ordnet Joseph Ratzinger die Bedeutung Traunsteins für sich ein. Geboren aber wurde er am 16. April, dem Karsamstag des Jahres 1927, in Marktl als Sohn des Gendarmeriemeisters Joseph Ratzinger und seiner Frau Maria. Die beiden älteren Geschwister Maria und Georg hatten 1921 bzw. 1924 in Pleiskirchen bei Altötting das Licht der Welt erblickt. 1937, nach der Pensionierung des Vaters, bezog die Familie ein altes, 1726 erbautes Bauernsachl im benachbarten Hufschlag, Gemeinde Surberg. Für Joseph begann mit dem Eintritt in die erste Klasse des „Humanistischen Gymnasiums“ der sprichwörtliche Ernst des Lebens, dem er sich mit Neugier und wachsender Begeisterung stellte, obwohl er der Jüngste und einer der Kleinsten der Klasse war. Latein und Griechisch waren seine Lieblingsfächer, Sport stand am anderen Ende der Skala. Er selbst sah sich durchaus mit „einer gewissen Tendenz zur Frechheit“ ausgestattet. Ungeachtet dessen kann das heutige Chiemgau-Gymnasium stolz sein auf seinen prominentesten „Ehemaligen“, auch wenn er das Abitur nicht hier, sondern in München ablegte, wohin ihn und seine Kameraden ab 1943 der Krieg als Flakhelfer – mit „Notunterricht“ am dortigen Maxgymnasium – verschlagen hatte.

Im April 1939 folgte Joseph seinem Bruder Georg in das Erzbischöfliche Studienseminar auf der Wartberghöhe. Für die Eltern war das ein großes finanzielles Opfer, für den jüngsten Sohn ein tiefer Einschnitt. „Nun in einen Studiersaal mit etwa sechzig anderen Buben eingefügt zu sein, war für mich eine Folter, in der mir das Lernen, das mir vorher so leicht gewesen war, fast unmöglich schien.“ Doch in den Wirren der Kriegsjahre versöhnte sich Joseph mit dem Leben im Internat. „Ich musste lernen, mich ins Ganze einzufügen, aus meiner Eigenbrötlerei herauszutreten und im Geben und Empfangen eine Gemeinschaft mit den anderen zu bilden.“ Die Verbundenheit mit dem Studienseminar wuchs, und auch später riss der Kontakt nie ab. Seine letzte Amtshandlung als Erzbischof von München und Freising, das Seminar zu einer Stiftung zu erheben, sicherte 1982 die Zukunft des Hauses. Lange Jahre, letztmals 2005, verbrachte er hier, zusammen mit seinem Bruder, einige ruhige Tage zwischen Neujahr und Heilig-Drei-König.

„Heimatliche Pfarrkirche“, so bezeichnet der Papst St. Oswald. Mit seinem Pendant in Marktl hat das erstmals 1342 urkundlich erwähnte Gotteshaus das Patrozinium gemeinsam. Daher hält seit dem 19. April 2005 der Heilige Oswald, Patron für Ernte, Wetter und Viehzucht, seine schützende Hand sowohl über die Tauf- als auch die Primizkirche des 265. Papstes der Kirchengeschichte, des ersten Deutschen auf dem Stuhl Petri seit 482 Jahren. Hier wurde er 1937 gefirmt und spendete Jahrzehnte später als Erzbischof selbst dieses Sakrament, hier hatte er sich als Theologiestudent am liturgischen Dienst beteiligt, hier feierte er 1976 sein silbernes, 2002 das goldene Priesterjubiläum. Über allem aber steht der 8. Juli 1951. Am „Tag, den der Herr gemacht“, leuchtete sie bei seiner und seines Bruders ersten heiligen Messe „in ihrem schönsten Glanze“.

Von Traunstein als der „schönsten Stadt der Welt“ hatte Georg Ratzinger, geplagt von Heimweh, einmal gesprochen. Und er sollte ihr als Chorregent noch eine ganze Weile, von 1957 bis 1964, erhalten bleiben, bevor er die weltberühmten Regensburger Domspatzen übernahm und 30 Jahre lang erfolgreich leitete. Vielen Traunsteinern ist das Bild des über den Stadtplatz radelnden Chordirektors noch in guter Erinnerung. Seine Dienstwohnung hatte er in der Mittleren Hofgasse 24, im Volksmund „Predigerhäusl“ genannt. Hier nahm Georg Anfang Juni 1959 auch die Eltern zu sich. Der Vater verschied wenige Monate später, die Mutter folgte ihm 1963 kurz vor Vollendung des achtzigsten Lebensjahres. Beide wurden zunächst in Traunstein beigesetzt. 1974 überführte man die sterblichen Überreste nach Regensburg auf den Ziegetsdorfer Friedhof, wo auch die 1991 im Alter von 69 Jahren verstorbene Maria Ratzinger beerdigt ist.

Einstimmig beschloss der Stadtrat am 16. Juni 2005, dem „bayerischen Papst“ das Ehrenbürgerrecht zu verleihen. „Gerne nehme ich die mir angetragene Würde […] an“, so steht es in Benedikts Brief vom 29. Juli 2005 zu lesen. Und so konnte Oberbürgermeister Fritz Stahl am 8. Februar 2006 in Rom an der Spitze einer Delegation persönlich die Urkunde überreichen. Der Heilige Vater bedankte sich, sichtlich erfreut und bewegt, mit der Feststellung, „dass Traunstein für mich die Liberalitas Bavarica, die Humanitas und die Christianitas Bavarica verkörpert. […] Dieser Dreiklang, denke ich, ist mir gerade dort spürbar geworden und ich wünsche der schönen Stadt Traunstein, dass dieser Dreiklang sie auch weiterhin charakterisiert.“ Ein schöneres Lob, eine höhere Auszeichnung, eine größere Anerkennung vermag man einer altbayerischen Stadt schwerlich auszusprechen.

Die Arten der Ehrung von Persönlichkeiten, welche sich um die Stadt Traunstein verdient gemacht haben, sind seit dem 30. September 1973 (Datum des Inkrafttretens, Beschluss des Stadtrats am 9. August desselben Jahres) in der „Satzung über die Ehrung verdienter Persönlichkeiten durch die Stadt Traunstein“, dem sogenannten „Ehrenstatut der Stadt Traunstein“, festgelegt. Demnach sind folgende Ehrungen vorgesehen:

1. Das Ehrenbürgerrecht für „bleibende höchste Verdienste um das Ansehen und das Allgemeinwohl der Stadt“.

2. Der Ehrenring für Persönlichkeiten, „die sich durch ausgezeichnete Leistungen auf kommunalem, kulturellem, wirtschaftlichem, technischem oder karitativem Gebiet um die Stadt Traunstein oder den gesamten Chiemgau besonders verdient gemacht und dadurch zum gemeinen Wohle der Stadt in hervorstechendem Maße gewirkt haben“.

3. Die Ehrenmedaille für Persönlichkeiten, „die sich um die Stadt Traunstein verdient gemacht haben“.

Das in der Bayerischen Gemeindeordnung vorgesehene Ehrenbürgerrecht, in Traunstein erstmals 1853 nachgewiesen, wurde seitens der Stadt in Form des 1959 eingeführten Ehrenrings und der 1973 geschaffenen Ehrenmedaille zeitgemäß ergänzt. Die vorliegende Auf­listung wurde vom Stadtarchiv Traunstein unter Zugrundelegung der von Hans Deubzer und Götz von Dobeneck erstellten und in der Stadt­geschichte von Anton Kasenbacher abgedruckten Aufstellung erarbeitet und wird bei Bedarf laufend fortgeschrieben.

Nachfolgend werden zunächst die Ehrenbürger der Stadt Traunstein – eigene Kapitel bilden hier die Ehrenbürger der ehemals selbständigen und inzwischen zur Stadt gehörenden Gemeinden Haslach, Hochberg, Kammer und Wolkersdorf sowie die Ehrenbürgerrechtsverleihungen in der Zeit des Nationalsozialismus –, dann die Persönlichkeiten, denen der Ehrenring verliehen wurde, und abschließend die mit der Ehrenmedaille der Stadt Traunstein ausgezeichneten Frauen und Männer jeweils in chronologischer Reihenfolge aufgeführt. Die einzelnen Einträge sind, soweit Bildmaterial vorhanden ist, illustriert. Sie nennen die biographischen Daten, das Datum des Ratsbeschlusses und bei den Ehrenbürgern auch dessen Wortlaut (in Anführungszeichen).

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In Traunstein befinden sich an interessanten Gebäuden Metalltafeln mit einem QR-Code. Durch diesen Code kommen Sie auf eine Seite mit ausführlichen Informationen zur Geschichte, historischen Bildern und einzelnen Audiodateien zum jeweiligen Standort.

Der Spaziergang basiert auf dem Projekt des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein e. V. zusammen mit dem P-Seminar Geschichte 2014/2016 des Chiemgau-Gymnasiums.

Haben Sie keinen QR-Code-Scanner, möchten sich die ausführlichen Informationen aber trotzdem durchlesen, finden Sie hier die Übersicht der Stationen zum Durchklicken:

Übersicht der Stationen mit QR-Code-Tafel

Traunsteins Stadtrechte, welche eine Verwaltung größeren Ausmaßes erforderten, wurden erstmals am 7. Januar 1375 erwähnt. Jedoch ist in erhaltenen Dokumenten schon 1314 die Rede von einem Stadtrat. Dieser bestand aus gewählten Zunftmeistern der Handwerkszünfte. Daraus lässt sich auf ein Ratsgebäude schon zu dieser Zeit schließen, aber erst 1486 wird erstmals ein Ratshaus erwähnt. Die Notwendigkeit für ein Verwaltungsgebäude wurde auch durch die Erteilung neuer Administrationsrechte- und pflichten deutlich. So wurde in dieser Zeit die sogenannte niedere Gerichtsbarkeit (Rechtsprechung mit Ausnahme der Kapitalverbrechen) von herzoglichen Richtern auf den Stadtrat übertragen.

Damals befand sich das Rathaus etwa auf Höhe des alten Landgerichtes umgeben von Bürgerhäusern und der späteren Dienstwohnung des Salzmaiers. Im Ratsgewölbe wurde noch Salz eingelagert, bis man 1568 unter Herzog Albrecht V. den Salzstadl auf dem heutigen Maxplatz errichtete. Durch den Salzhandel wuchs der Wohlstand stetig an, weshalb schon 1508 Pläne zum Umbau des im Besitz der Pfarrei Haslach befindlichen „Frühmeßhaus“ zum Rathaus existierten. Dieses Vorhaben wurde aber genauso wie eine rückwärtige Erweiterung des alten Ratsgebäudes zur Stadtmauer hin verworfen.

1576 betraute man den Salzburger Baumeister Benedikt mit der Planung eines neuen Rathauses; da dieses am alte Standort blieb und keine Abbrucharbeiten vermerkt sind, ist davon auszugehen, dass man die alte Bausubstanz zumindest teilweise miteinbezogen hat. Zwei Jahre nach Baubeginn am 15. Juni 1576 war der erste Rathausneubau abgeschlossen. In der Abrechnung der Baukosten sind die Malerei des Münchner Stadtmalers Sigmund Hebenstreit und die Pflasterarbeiten „hinder dem Tannzhauß“ besonders hervorgehoben, was belegt, dass damals an das Rathaus als administratives Zentrum auch der Tanzsaal, in dem alle Hochzeiten und Feierlichkeiten stattfinden mussten, angegliedert war.

Im August 1704 während des spanischen Erbfolgekrieges zündeten österreichische Truppen die Stadt an, hierbei kam das Rathaus glimpflich davon, da es nach drei Monaten Restauration wieder instandgesetzt war.

Aufgrund eines kurfürstlichen Besuchs 1756 wurde das Rathaus zusammen mit allen anderen städtischen Gebäuden renoviert.

1851 zerstörte ein zweiter Stadtbrand den Stadtkern nahezu vollständig. In der Folge wurden auf der Südseite des Stadtplatzes drei öffentliche Neubauten errichtet: das Hauptsalzamt (Salzmaieramt), das Bezirksgericht und ein neues Rathaus.

Das Rathaus-Rückgebäude, welches den Stadtbrand überstanden hatte, wurde  1868 umgebaut, 1890-1892 kam es zur Erneuerung der Fassade. Der prachtvolle Rathaussaal mit der charakteristischen Kassettendecke erfuhr zu Beginn des 20. Jh. mehrere Änderungen und erhielt sein wesentliches Aussehen erst 1923, als er im „Renaissancestil“ renoviert wurde.

Bis 1948 behielt die Fassade ihr altes Antlitz. Danach wurde sie umgestaltet, indem man das Türmchen und das Maßwerk entfernte sowie die Fensterstellung veränderte und im zweiten Stock einen dreieckigen Erker mit Bildhauerarbeiten anbrachte.

Mit diesen Änderungen beginnt die moderne Geschichte des Rathauses. Durch die zunehmende Größe der Verwaltung wurde spätestens in den 1980er Jahren klar, dass das alte Gebäude nicht mehr angemessen für eine adäquate Administration war. Nach Voruntersuchungen begann 1995 der Um- und Erweiterungsbau, welcher 1998 abgeschlossen war.

Die Oberaufsicht über die Saline als eigenständige Hofmark, d. h. als geschlossener Rechts- und Verwaltungsbezirk, hatte ab 1619 der so genannte Salzmaier, dem eine Beamtenschaft von bis zu 20 Personen unterstand. Der repräsentative Gebäudekomplex des Salzmaiers am Stadtplatz in unmittelbarer Nachbarschaft des Rathauses wurde 1619 von Herzog Maximilian I. erworben. Auf der Rückseite seines Amtssitzes (heute: Staatliches Forstamt) war die Salinenkasse  untergebracht, von der die Salzmaierstiege hinab in die Au zur Saline führte. 1704 beim Stadtbrand stark beschädigt wurde das Amtshaus nach den Entwürfen des kurfürstlichen Hofbaumeisters Viscardi im barocken Stil wiedererbaut.

Im Zuge der Reformen des Salinenwesens (1791) wurde das Salzmaieramt in Hauptsalzamt umbenannt und der Titel Salzmaier durch die Bezeichnung Salinen-Oberinspektor ersetzt.

1852/53 wurde das Gebäude unter Verwendung des barocken Vorgängerbaus mit einer Fassade im sog. florentinischen Stil wiederhergestellt.

1896/97 wurde der Bau von den Justizbehörden übernommen.

Ende der 1990er Jahre mit in die Rathaus-Erweiterung einbezogen.

Vor dem Gebäude befinden sich unter dem heutigen Gehweg-Niveau Reste einer ehemals gewölbten Brunnenstube aus dem 13. Jahrhundert.

Beim ehemaligen Landgericht handelt es sich um einen dreigeschossigen Bau mit Fassade im „byzantinischen Stil“ und rückwärtigen Seitenflügeln.

1853/54 entstand nach Plänen des Zivilbauinspektors Reuter auf den Überresten des beim Stadtbrand zerstörten alten, von 1576 stammenden Rathauses ein stattlicher, an der Fassade symmetrisch angelegter, dreiflügeliger Bau für das Landgericht.

Zu Umbaumaßnahmen kam es 1857, als das Landgericht zum Bezirksgericht umstrukturiert wurde, 1858 wurde auf der südlichen Seite ein großer Sitzungssaal eingebaut, 1895 das benachbarte ehemalige Hauptsalzamt in den Gebäudekomplex integriert.

Bis 1963 wurde hier Recht gesprochen, nach dem Umzug des Gerichts in einen Neubau, erwarb die Stadt die Gebäude, um darin verschiedene Institutionen und Verwaltungsteile unterzubringen.

1995-98 wurden im Zuge der groß angelegten Rathauserweiterung die Obergeschosse weitgehend entkernt und die Rückgebäude neu errichtet.

Beim ehemaligen Landgericht handelt es sich um einen dreigeschossigen Bau mit Fassade im „byzantinischen Stil“ und rückwärtigen Seitenflügeln.

1853/54 entstand nach Plänen des Zivilbauinspektors Reuter auf den Überresten des beim Stadtbrand zerstörten alten, von 1576 stammenden Rathauses ein stattlicher, an der Fassade symmetrisch angelegter, dreiflügeliger Bau für das Landgericht.

Zu Umbaumaßnahmen kam es 1857, als das Landgericht zum Bezirksgericht umstrukturiert wurde, 1858 wurde auf der südlichen Seite ein großer Sitzungssaal eingebaut, 1895 das benachbarte ehemalige Hauptsalzamt in den Gebäudekomplex integriert.

Bis 1963 wurde hier Recht gesprochen, nach dem Umzug des Gerichts in einen Neubau, erwarb die Stadt die Gebäude, um darin verschiedene Institutionen und Verwaltungsteile unterzubringen.

1995-98 wurden im Zuge der groß angelegten Rathauserweiterung die Obergeschosse weitgehend entkernt und die Rückgebäude neu errichtet.

Der ehemalige Wehrturm wurde 1541 eingerissen und wieder neu erbaut und ist damit das letzte erhaltene Zeugnis der mittelalterlichen Stadtbefestigung.

1749 verlor er jedoch durch einen Renovierung, bei dem der obere Turm bis zum dritten Stock verkürzt wurde, seinen Zinnenkranz und bekam einen Dachstuhl, wodurch er sie heutige Form erhielt.

Der Maler Matthias Anton Frank, geboren in Traunstein, erschuf auf der Innenseite des Turms ein Fresco mit dem Bildnis des Hl. Oswald und zu beiden Seiten zwei Engel mit dem churbayrischen und dem Stadtwappen, das laut Datierung 1859 restauriert wurde

Im 19. Jahrhundert wurde der Turm in Brothausturm umbenannt. Heute ist er Teil des Stadtmuseums.

Das mit 1568 datierte Wappen an der westlichen Außenseite stammt von dem 1851 abgebrannten und nachfolgend abgetragenen Salzstadel.

Hier stand bis zum Stadtbrand 1704 das Schloss Neugereut oder auch Neuenkreut, das heute bei den Traunsteinern unter dem Namen Schaumburger Schloss bekannt ist. Über die Geschichte des Schaumburger Schlosses ist historisch gesichert, dass das Grundstück ursprünglich dem Reichenhaller Siedeherrn Christoph Heupl gehörte, welcher hier 1474 einen Stadl errichtete. 1513 ging der Besitz an den Stephan von Schaumburg („Schaunberg“) über. 25 Jahre später wird das Schloss erstmals als Sitz innerhalb der Stadt Traunstein erwähnt, was darauf schließen lässt, dass die Bauzeit um 1538 datiert werden kann. Die Schaumburger waren ein fränkisches Adelsgeschlecht, die das Schloss Neugereut bis zu ihrem Aussterben 1659 besaßen. Hans von Schaumburg war von 1522 bis zu seinem Tod 1570 als Pfleger des Traunsteiner Gerichts tätig war.

Mit dem Stadtbrand von 1704 fand die Geschichte des Schlosses ein trauriges Ende. In einem Akt des Stadtarchivs von 1724 wird das Schloss als baufällig bezeichnet, was zur Folge hatte, dass der Edelsitz nicht mehr aufgebaut wurde.

Verbindungsweg vom Taubenmarkt in den Stadtteil Wiese.

Die Hallerstiege ist nach einem früheren Besitzer des Gasthofes „Lamm“ namens Haller benannt. Das Gasthaus „Lamm“ wurde 1959 zur Erweiterung des Geschäfts „Kreiller“ umgebaut.

Traunstein ist eine Stadt, in der das Brauereiwesen eine lange Tradition besitzt. Heute gibt es noch drei Brauereien: die Privatbrauerei Schnitzelbaumer, den Wochinger Bräu und das Hofbräuhaus Traunstein.

Jedoch existierten früher noch weitere Brauereien: der Kiesel- oder Maximiliansbräu, der Höllbräu und der Sternbräu. Letzterer wurde früher auch der „Mittlere Bräu“ genannt; heute noch ziert ein Schild mit einem goldenen Stern und der Aufschrift „Sternbräu“ den Eingang zur Braustube.

Bis 1900 war der Sternbräu eine eigenständige Brauerei, welche untergäriges Bier braute. Eindeutig als Sternbräu bezeichnet wird die Brauerei erstmals im Jahre 1598. Im 19. Jahrhundert hießt sie dann „Büchele-Bräu“, benannt nach Jakob Büchele. Jedoch ist die Herkunft des Namens Sternbräu bis heute unklar, da mit Sternbreuen ursprünglich die adeligen Brauereibesitzer Münchens tituliert wurden, jedoch ist ein solcher in der hiesigen Chronologie nicht erwähnt .

Um 1900 nach dem erwerb durch den neuen Hofbräu Josef Sailer, wurde die Brauerei aufgelassen und so kommt das Bier, das heute im Sternbräu ausgeschenkt wird, vom Hofbräuhaus Traunstein.

Der Jacklturm ist ein Wahrzeichen der Stadt Traunstein. Früher war er ein Teil der Ringmauer und diente der Befestigung der Stadt. Bereits im 14. Jahrhundert erwähnte ein Urbar der Herzöge von Bayern das untere und das obere Stadttor der Stadt Traunstein. Im Stadtarchiv wird das obere Tor erstmals 1342 erwähnt, von daher nimmt man an, dass neben diesem auch ein unteres Tor existiert haben muss.

1502 und 1527 wurden die Stadtmauer und deren Türme renoviert. 1543 ist erstmals von einer Herberge (Wohnung) im Inneren des Turms die Rede, die an einen Schuster vermietet war. Aus Archivalien geht hervor, dass seit 1526 der Stadtturm mit Schindeln gedeckt war, 1530 wurden verglaste Fenster und für wurde 1535 sogar ein Kachelofen erwähnt. Das Äußere des Turms zierte zu dieser Zeit bereits eine Uhr, welche 1488 und 1546 repariert wurde.

Im Jahre 1547 schlug ein Blitz in den unteren Turm ein und beschädigte Dach und Mauerwerk schwer, notdürftige Reparaturen brachten nicht viel, daher wurde der Turm 1548 abgebrochen und neu errichtet.

Die zwei Stadtbrände 1704 und 1851 hatten auch dem Jacklturm jedes Mal schweren Schaden zugefügt. Nach der letzten Feuerbrunst entbrannt dann ein Streit über den Wiederaufbau, den die Befürworter jedoch verloren. Die Reste des Jacklturms wurden abgerissen.

1998-2000 wurde auf Initiative des Fördervereins Alt-Traunstein der Jacklturm, der seit 1787 diesen Namen, dessen Herkunft ungeklärt ist, trägt, neu errichtet.

Verbindungsweg zwischen dem Kniebos und dem Stadtteil Wiese.

Benannt nach dem Heimatforscher Mathias Büchele (1815-1879),  Benefiziat der Zirnberger Messe in St. Oswald, der als erster eine Reihe von – auch heute noch durchaus beachtenswerten – historischen Aufsätzen erarbeitete und diese im (seit 1855 erscheinenden) „Traunsteiner Wochenblatt“ (heute „Tagblatt“) veröffentlichte. Zugleich schuf er die Grundlage für die 1859 in der Zeitschrift „Oberbayerisches Archiv“ veröffentlichten „Geschichte der Stadt Traunstein“ des Siegsdorfer Schulbenefiziaten Johann Josef Wagner (1983 neu aufgelegt).

Das Traunsteiner Löwentor, auch „Autürl“ genannt, ist die Verbindung zwischen dem Stadtplatz und dem ehemaligen Salinenviertel. Erstmals dokumentierten dieses Tor Quellen aus dem 17. Jahrhundert.  Bis 1824 war dieses ein schmaler Durchgang in der Stadtmauer, der nur kleinen Handwagen Platz bot. Aufgrund des gestiegenen Verkehrsaufkommens wurde es notwendig, diesen zu verbreitern. Dazu wurde ein anliegendes Haus abgerissen. Im Jahr 1844 kaufte die Stadt Traunstein zwei neue Löwen aus Sandstein, die Atelier des berühmten Bildhauer Ludwig Schwanthaler angefertigt wurden, welche die maroden Löwen aus Ton ersetzten. Schwanthaler war einer der bedeutendsten Bildhauer seiner Zeit, er schuf unter anderem die Bavaria auf der Münchner Theresienwiese und das Mozartdenkmal in Salzburg. Das Tor bestand aus zwei Säulen, die links und rechts an den Hauswänden angebracht waren, auf denen sich die Löwenfiguren befanden.

2007 wurde das Löwentor unter der Ägide des Fördervereins „Alt-Traunstein“ von Grund auf saniert.

Direkte überdachte Verbindungstreppe von der Rückseite des Salzmaieramtes zum Salinenbezirk in der Au.

Dieser Zugang war der Stadt zunächst ein Dorn im Auge, sodass Kurfürst Maximilian 1622 anordnete, dass sie „das ausgebrochene Tierl vom Salzmairhaus aus auf die Au nicht mehr anfechten“ sollte.

1630 erbautes Wohngebäude für die Salinenarbeiter, welches aus drei Doppelhäusern mit jeweils vier Wohnungen bestand.

Im Rahmen der durch den Stadtbrand von 1704 notwendig gewordenen Gebäudereparaturen hat man ein zweites Obergeschoss aufgesetzt. 1926 wurde der Bau nach Westen hin erweitert.

Der Begriff Stock meinte ursprünglich nicht Geschoss, sondern das ganze Gebäude.

Die 1618/19 errichteten Gebäude waren sowohl so genannte „Pfiesel-“ oder „Härthäuser“ zum Härten des aus der Sole gewonnenen Salzes (Erdgeschoss) als auch Wohngebäude und Werkstätten für die Salinenarbeiter. Die noch feuchten Salzstöcke, die das Sudhaus verließen, wurden in diesen Härthäusern getrocknet.

Bis 1786/87 schlossen sich hölzerne Sudhäuser an den Maximiliani-Wilhelmi-Stock an, durch die Errichtung des Karl-Theodor-Sudhauses waren diese überflüssig geworden.

Der etwas ältere Maximiliani-Wilhelmi-Stock ist mit dem benachbarten Alberti-Fernandi-Stock baugleich. Benannt sind die Gebäude nach den Fürsten aus dem Hause Wittelsbach.

Endpunkt der Soleleitung aus Bad Reichenhall

Erbaut um 1785 im Zusammenhang mit der Errichtung des Karl-Theodor-Sudhauses. Der nördliche Teil wurde 1938 abgerissen.

Die 1621/22 errichteten Gebäude waren sowohl  „Pfiesel-“ oder „Härthäuser“ zum Härten des aus der Sole gewonnenen Salzes (Erdgeschoss) als auch Wohngebäude und Werkstätten für die Salinenarbeiter. Die noch feuchten Salzstöcke, die das Sudhaus verließen, wurden in diesen Härthäusern getrocknet.

Bis 1786/87 schlossen sich hölzerne Sudhäuser an den Alberti-Ferdinandi-Stock an, durch die Errichtung des Karl-Theodor-Sudhauses waren diese überflüssig geworden.

Der etwas jüngere Alberti-Ferdinandi-Stock ist mit dem benachbarten  Maximiliani-Wilhelmi-Stock baugleich. Benannt sind die Gebäude nach den Fürsten aus dem Hause Wittelsbach.

Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts wurde der spätbarocke „neue Wohnstock“ für die Salinenbeamten errichtet (um 1775). Das Schopfwalmdach verleiht dem lang gestreckten Bau, welcher zwei gleich strukturierte Haushälften zusammenfasst, einen repräsentativen Charakter, der den sozialen Status seiner Bewohner widerspiegelt.

Die Kapelle zu Ehren des heiligen Johannes von Nepomuk ist schon vor 1783 nachweisbar. Sie wurde vermutlich von den Triftknechten der Saline, die eine gefährliche Arbeit zu verrichten hatten, erbaut.

Die auf einem Postament stehende Statue des Heiligen ist 1,60 m hoch und zeigt ihn in geistlicher Tracht mit einem Birett und Hermelin, die in Gold gefasst sind, ebenso wie die Spitzen der Rochett. Sein Haupt ist von einem Kranz aus fünf Sternen umgeben. In der rechten Hand hält er ein Holzkreuz und in der linken einen Palmzweig.

Bis 1910 verlief von hier aus der sogenannte Triftrechen, der eine überdachte Schleusenbrücke war, bei der das angeschwemmte Holz aufgefangen wurde.

Die Kapelle wurde 1985/86 durch den Förderverein „Alt-Traunstein“ renoviert, dabei wurde auch die Statue restauriert und zur Sicherheit durch einen Steinguss ersetzt.

Das Original, das aus Lindenholz besteht, befindet sich heute im 6. Stock des Jacklturms am Stadtplatz.

Im 18. Jh. erbauter barocker Wohnsitz des Salinentriftmeisters (Griesmeister) beim Triftrechen. Der Griesmeister war für die Einschleusung und Verteilung des Triftholzes zuständig und überwachte die Arbeit der Griesknechte (Triftknechte). Der Begriff Gries bedeutet flaches, sandiges Ufer.

Die Blitzkapelle wird erstmals 1468 als „Kreutz“, 1502 schon als „Kappeln im Wardberg“ erwähnt. Sie diente  als Zwischenstation bei den Leichenzügen von Traunstein, das erst 1639 einen eigenen Friedhof erhielt, nach Haslach.

Der heutige Bau stammt wohl aus dem 17./18. Jahrhundert und bekam seinen Namen 1853 nach einem Unglück, als dort drei vor einem Gewitter schutzsuchende Männer von einem Blitz erschlagen wurden.

Die Kapelle wurde mehrmals renoviert, zuletzt 1984 vom Förderverein „Alt-Traunstein“, wobei die Marienfigur (von R. Krisch aus Altdorf) restauriert und aus Sicherheitsgründen durch einen Steinguss ersetzt wurde. Zudem wurde die Ecce-homo-Darstellung von Franz Prinke aus Berchtesgaden neu geschnitzt.

Der einfache Sockel in der Mitte diente wohl zum Abstellen der Särge.

Das Gebäude der heutigen Musikschule in der Rosenheimer Straße wurde am 18. September 1901 als „Königliches Progymnasium Traunstein“ eröffnet. Hier konnten zunächst nur die ersten fünf (ab 1902 sechs) gymnasialen Klassen absolviert werden. Um das Abitur zu erreichen, mussten die Schule und der Ort gewechselt werden. 1924 bis 1926 erfolgte aufgrund der Inflationsjahre eine Zusammenlegung von Progymnasium und Realschule.

Die Schülerzahl des Traunsteiner Progymnasiums stand an erster Stelle der Progymnasien in Bayern und übertraf sogar einige Vollgymnasien. Am 1. September 1929 erfolgte ein Ausbau zur Vollanstalt. Entscheidend hierfür war die Einrichtung des Erzbischöflichen Studienseminars. Am 26.Januar 1934 wurde die Schule vom Ministerium zu einer „in jederzeit widerruflicher Weise“ Vollanstalt erhoben und als „Humanistisches Gymnasium“ bezeichnet.

Unter den Nationalsozialisten wurden 1938 Gymnasium und Realschule zur „Staatlichen Oberschule für Jungen“ zusammengeschlossen, bis die Gebäude 1944 geräumt wurden und als Lazarett dienten. Nach Kriegsende wurde im Sommer 1945 kurzfristig eine Mädchenvolksschule eingerichtet. Im Herbst 1945 veranlasste die Militärregierung die Wiedereröffnung der Oberschule. 1947 wurde die Oberschule in „Gymnasium und Oberschule“ umbenannt. 1953 zogen die Klassen des Mädchen-Realgymnasiums in das frühere Schülerheim, das spätere Annette-Kolb-Gymnasium.
1965 wurde mit der Ministerialverordnung der Begriff „Höhere Schule“ endgültig in „Gymnasium“ geändert. Das „Gymnasium an der Marienstraße“ wurde am 26. November 1965 zum „Chiemgau-Gymnasium-Traunstein“.

Durch stetig steigende Schülerzahlen wurden 1970 einige Räume des alten Landgerichts als Klassenzimmer angegliedert. Am 15. Februar 1980 wurde dann ein neues Gebäude in der Brunnwiese bezogen und nach fast 80 Jahren verlor das alte Gebäude seine Funktion als Gymnasium.

Heute dient es als Musikschule und mehrere ausgelagerte Volksschulräume sind auch hier untergebracht.

Von 1937 bis 1943 besucht Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI. das Humanistische Gymnasium“ und lebt in dieser Zeit im Studienseminar St. Michael.

Mit dem Anwachsen der evangelischen Kirchengemeinde in und um Traunstein während des 19. Jh. wurde der Wunsch nach einer eigenen  Kirche laut. Nach einer Vorlaufzeit von mehr als zehn Jahren wurde sie 1897 bis 1899 nach Plänen des königlichen  Bauamtsassessor Alfred Stamm erbaut und am 6. August 1899 feierlich eingeweiht. Die Kosten betrugen 13 000 Reichsmark für das Grundstück sowie 85 000 Reichsmark für das Gotteshaus selbst.

Auffällig ist, dass Turm und Kirchengebäude sich als zwei eigenständige Bauwerke präsentieren, die zusammen eine Einheit bilden und dem Gebäude eine besondere Dachstruktur verleihen, die durch den Einschnitt des Turmes in das Dach erreicht wird.
Das im neugotischen Stil errichtete Gotteshaus hieß zunächst nur „Protestantische Kirche“, erst 1961 erfolgte die Umbenennung in „Auferstehungskirche“.

Im Bogen über dem Portal schuf Prof. Heinrich Schiestl in den Jahren 1905 bis 1907 das Relief „Christi Himmelfahrt“. Am 18. April 1945 wurde die Kirche durch den amerikanischen Luftangriff auf den Bahnhof schwer beschädigt, Dach und Fenster wurden zerstört.

Nach dem Wiederaufbau kam es Anfang der 1950er und 1960er Jahre sowie Ende der 1980er Jahre zu Umgestaltungen und Sanierungen der Kirche.

Ehemaliges Wild- und Mineralbad, das erstmals 1547  erwähnt und 1584 als Heilquelle durch die Leibärzte Herzog Wilhelms V. bestätigt wurde. Da der Herzog selbst die Heilkraft des Wassers erprobt hatte, durfte die Heilquelle den Namen Herzog-Wilhelm-Brunnen führen. 1809 verkaufte die Stadt Traunstein das Wildbad Empfing und der spätere Eigentümer Johann Seywald erbaute 1850 ein neues Badehaus als vornehme Kuranstalt für Patienten aus den höheren Gesellschaftsschichten. 1918 wurde eine Abfüllanlage für den Versand des heilkräftigen Mineralwassers errichtet.

1921 verkaufte Seywald die private Kuranstalt an die Reichsbahn und es entstand ein Genesungsheim für Bahnbeamte (1922-1964). 1965 ging der gesamte Besitz wieder auf die Stadt Traunstein über und diese verkaufte dann das Hauptgebäude 1977 an den Fabrikanten Alfred Loch.

Im Winter 2005/2006 fiel das Gebäude einem Großbrand zum Opfer, bei welchem es fast vollständig ausbrannte. Seither erfolgt der Wiederaufbau.

Hier wurde Balthasar Permoser (1651-1732), der bedeutende Barockbildhauer, geboren.

Permoser schuf u. a. den Skulpturenschmuck des Dresdner Zwingers

Weitere interessante Stationen in Traunstein (ohne QR-Code-Tafel)

Die Kirche St. Oswald wurde erstmals 1342 erwähnt. Bis 1850 war sie eine Filialkirche der Pfarrei Haslach. Ursprünglich romanisch wurde sie in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts neu errichtet und 1501 geweiht: Eine dreischiffige Basilika mit einem ungewöhnlich großen Chor und einem hohen Turm mit Spitzhelm.

Von 1675 bis 1690 ist die Kirche zu ihrer jetzigen Form umgebaut worden. Dabei wirkten die Graubündener Meister Caspar Zuccalli, Lorenzo Sciasca und Antonio Riva mit. Durch den Stadtbrand im Jahr 1704 stürzte das Langhausgewölbe ein und die Einrichtung wurde vernichtet; der Turm erhielt danach eine Zwiebelkuppel. Als Traunstein 1851 erneut brannte, wurden der Dachstuhl des Turms und das Chorgewölbe zerstört, das Gotteshaus musste danach aufwändig renoviert werden. 1885 wurde der Westteil mit dem Hauptportal und der Turm in seiner heutigen Form errichtet. Von 1904 bis 1909 wurde das Innere der Kirche mit neuen Gemälden und Verzierungen ausgeschmückt. Einen großen Teil dazu trug der Traunsteiner Kirchenmaler und Ehrenbürger Max Fürst bei, der neue Fresken im spätnazarenischen Stil an die Decke malte. Das Gemälde des Hochaltars, eine Darstellung des hl. Oswald, der Bedürftige unterstützt, schuf 1854 der Münchner Cornelius-Schüler Georg Lacher.

In Folge des zweiten Vatikanischen Konzils wurden der Altar, der Ambo und die Taufkapelle neu gestaltet. 1856 erhielt die Kirche auch eine Orgel, die im Laufe der Jahre immer wieder modernisiert wurde. 2011 entschied man sich für die Anschaffung einer größeren Orgel, die zu Ehren Joseph Ratzingers „Papst-Benedikt-Orgel“ benannt wurde, da er in Traunstein aufgewachsen war und hier auch 1951 nach dem Theologiestudium seine Primiz feierte. Als Erzbischof von München und Freising spendete er in der St. Oswald Kirche immer wieder das Sakrament der Firmung. Papst Benedikt XVI. bezeichnete Traunstein als „schönste Stadt der Welt“, was seine Verbundenheit mit Stadt und  Kirche verdeutlicht.

1612 wurde von Herzog Maximilian das Hofbräuhaus als landesherrlicher Monopolbetrieb zum Weißbierbrauen („Weißes Preyhaus“) eröffnet.

Große Kelleranlagen wurden unterhalb im Hang im späten 18. bzw. frühen 19. Jahrhundert angelegt.

1820 wurde das Brauhaus privatisiert und braute von nun an auch andere Biersorten. Es kommt in der Folgezeit zu mehreren Besitzerwechseln, bis 1896 Josef Sailer aus Lauingen die Brauerei erwirbt. Seither ist das Hofbräuhaus im Besitz der Familie Sailer.

Um 1120 erscheint mit den Ministerialen Rapoto und Rudolfus erstmals das Geschlecht der „de Truna in den Quellen, das im Verlauf des folgenden Jahrhunderts in zahlreichen Urkunden immer wieder Erwähnung findet. 1242 endet mit den letzten Vertretern Luitoldus und Eticho diese Reihe. Die frühe Heimatforschung nahm wie selbstverständlich an, dass die Veste der Sitz dieses Edelgeschlechts war. Tatsächlich konnten fachmännische archäologische Grabungen, fotografisch umfassend dokumentiert, 2006 die eigentliche Gründung dieser Burganlage in das 12. Jahrhundert datieren.

Dafür, dass es sich hier tatsächlich um die Burg bzw. den Stammsitz der Herren de Truna handelt, fehlt allerdings der letzte Beweis, es darf aber mit einiger Sicherheit angeommen werden. Wohl mit dem Aussterben der „de Truna“ ging die Burg an den bayerischen Herzog über, und als herzogliche Veste, Sitz des landesherrlichen Pfleggerichts, wurd sie 1361 auch erstmals expressis verbis erwähnt.

Als Eckpfeiler und Teil der Stadtbefestigung lag die Veste am Südostrand des Stadtbergs. 1618 erwarb Ladislaus Freiherr von Törring den Sitz, dem ein knappes Jahrhundert später der Stadtbrand von 1704 erheblich Schäden zufügte. Die Törring ließen die Gebäude nach und nach verfallen und errichteten schließlich an ihrer Stelle 1757 auf dem großräumigen Areal ein „Oberjägerhaus“. Die verbliebenen Schlossgebäude wurden demoliert, die Quadersteine wiederverwendet.

1819 erwarb der Stadtzimmermeister Joseph Seehuber dieses Jägerhaus. Sein Nachfahre gleichen Namens schenkte das zuvor und auch nachher mehrfach umgebaute Haus (Mittlere Hofgasse 11) 1921 der Stadt Traunstein gegen ein lebenslanges Wohnrecht und eine Leibrente. 1939 bezog es das Stadtbauamt, und bis zum Bezug des neuen Rathauses 1998 residierte in diesem „Fürstentum“ – so Altoberbürgermeister Fritz Stahl in einer launigen Ansprache – der jeweilige Stadtbaumeister fernab der Kontolle seiner Hauptverwaltung. Der Abbruch des danach mehrere Jahre leer stehenden Gebäudes ermöglichte die eingangs erwähnten Grabungen, die interessante Erkenntisse zur frühen Geschichte der Stadt Traunstein ans Tageslicht förderten.

An die Veste, deren Areal heute weitgehend modern überbaut ist, erinnern heute nur noch die Namen  Hofgasse, und Hofbräuhaus sowie einige Mauerreste am Stadtberg.

In der Stadt Traunstein, welche wesentlich durch das „weiße Gold“, das Salz, geprägt wurde, gibt es noch zahlreiche Gebäude, die an die Salinenzeit erinnern. Zu den wichtigsten  zählt die  Salinenkapelle, welche 1630-1631 von Maurermeister Wolf König nach den Plänen des Münchner Hofbaumeisters Isaak Pader errichtet wurde. 40 Jahre nach ihrer Fertigstellung im Jahre 1671 wurde sie dem Salzheiligen Rupert sowie dem Gründer der Saline, Kurfürst Maximilian, geweiht.

Der nahezu kreuzförmige Grundriss mit seinem quadratischen Mittelbau geht auf die Weisung Kurfürst Maximilians zurück, „daß jeder Mann auf den Altar sehen kunde“. Dies ist auch der Grund dafür, dass der Zentralbau ohne Stützen ist, welche den freien Blick auf den Altar einschränken könnten. Der größtenteils aus Nagelfluh errichtete Bau gehört aufgrund seiner architektonischen Gestaltung zu den bemerkenswertesten Sakralbauten der Region.

Das von Ulrich Loth stammende Altargemälde (1631) zeigt den heiligen Maximilian (mit Schwert), Bischof von Lorch an der Enns, als alten Mann am rechten Bildrand, und den heiligen Rupert (mit Salzfass), erster Bischof Salzburgs, auch bekannt als „Apostel der Bayern“ und namensgebenden Heiligen der Kapelle.

Der Altar wird begleitet von den Aposteln Paulus (links mit Schwert) und Andreas (rechts mit Kreuz). Der linke Seitenaltar zeigt die Taufe eines Inders durch den hl. Franz Xaver und der rechte Johannes von Nepumuk, nicht in der gewohnten Form als beliebten Brückenheiligen, sondern bei seiner Andacht vor dem Gnadenbild der Maria von Altbunzlau, zu welcher er wallfahrte.

Der Rupertistadel wurde 1864 als Nachfolger der hölzernen Vorgängerbauten, dem Kurz- und Oxenstadel, als Lagergebäude für die Saline errichtet. Als Baumaterial verwendete man Schlackesteine aus der Maxhütte Bergen. Durch den turmartigen Gebäudemittelteil verlief die aus Bad Reichenhall kommende Soleleitung, die hier zwischen Brunnhaus, Karl-Theodor-Sudhaus und der Fünferpfanne geteilt wurde („Wasserteilung“).

Dem Mittelteil des Rupertistadels ist die Rupertuskapelle vorgesetzt, eine offene Nische mit einer Steinfigur des heiligen Ruperts, des Schutzpatron von Salzburg mit einem Salzfass zu seiner Linken und einer Mariendarstellung auf dem rechten Arm. Der Vorgängerbau der Kapelle hatte sich östlich des Stadels befunden.

Seit der Auflösung der Saline 1912 wird der Rupertistadel vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein genutzt, heute befindet sich hier die Flussmeisterstelle.

1870 wurde zusätzlich zu den vier Siedepfannen des Karl-Theodor-Sudhauses eine fünfte Salzsiedepfanne errichtet, um die gestiegene Nachfrage decken zu können. 1874 erreichte die Saline Traunstein dann auch mit 10649 Tonnen Salz ihr Produktionsmaximum.

Nach der Einstellung des Sudbetriebs 1912 diente die Pfanne V zusammen mit dem Karl-Theodor-Sudhaus während des Ersten Weltkriegs als Straf- und Gefangenenlager.

1870 im Zusammenhang mit dem der Fünferpfanne errichtetes Nebengebäude mit Salzmühle, in der der mineralstoffreiche Pfannenstein aus der Saline verarbeitet wurde.

Als Pfannenstein (auch Salzstein, Kesselstein) bezeichnet man die feste Rinde, die sich in den Sudpfannen der Salzsiedereien beim Sieden ansetzt. Pfannenstein enthält v. a. Speisesalz sowie Gips und Natriumsulfat.

1627 predigten erstmals Kapuzinermönche in Traunstein, schon 1630 bezogen sie auf Betreiben ihres Förderers Kurfürst Maximilian ein an der Nordseite des Turms der Oswaldkirche angebautes Hospiz. Zusammen mit der Klosteranlage wurde 1687–1690 die Kirche errichtet und am 25. August 1690 von dem Salzburger Fürsterzbischof Johann Ernst Graf von Thun zu Ehren der Allerheiligsten Dreifaltigkeit geweiht.

Im Rahmen der Säkularisation mussten der beim einfachen Volk überaus beliebte, von der örtlichen Geistlichkeit aus Angst um ihre Pfründe stets misstrauisch beäugte Bettelorden zu Beginn des 19. Jh. die Stadt verlassen. Am 2. mai 1806 lasen die Kapuziner die letzte hl. Messe in ihrer Kirche, die anschließend exsekriert wurde. In den folgenden Jahrzehnten fand sie u.a. als Baustadel, Getreidespeicher und „Feuerlösch-Requisiten-Behältnis“ Verwendung, Dachreiter und Seitenkapelle und der Westflügel des Klosters wurden abgebrochen.

1857 erlebte das Gotteshaus als Schulkirche der Englischen Fräulein seine Wiederauferstehung, die verbliebenen Klostergebäude wurden als Wohnungen (Vorderseite) und Schule (Rückseite) genutzt. 1866 erhielt die Kirche einen neuen Glockenturm. 1964 musste das den Ansprüchen der Zeit nicht mehr genügende Schulgebäude, der ehemalige Nordflügel des Kapuzinerklosters, dem Neubau der Ludwig-Thoma-Schule weichen. Nach dem Abzug der letzten klösterlichen Leiterin des Städtischen Kindergartens 1978 wurde die Kirche endgültig geschlossen und 1986 von der Stadt für einen symbolischen Kaufpreis erworben. Nach lebhaften und kontroversen Diskussionen um die künftige Nutzung – der Abriss zugunsten eines Parkhauses konnte glücklicherweise verhindert werden – wurde 1994 das im Bestand sanierte ehemalige Gotteshaus von der Kulturfördervereinigung ARTS als Kunstraum für Ausstellungen, Lesungen und Konzerte zu neuem Leben erweckt.

Der verbliebene Teil des Klosters, der ehemalige „Portenstock“, beherbergt seit 1980 die Städtische Galerie, deren engagiertes und niveauvolles Jahresprogramm deutliche Akzente im Traunsteiner Kulturleben setzt.

Seit Ende 2020 ist das Kulturforum Klosterkirche ein Veranstaltungsort der besonderen Art
Die Stadt Traunstein sanierte und modernisierte das denkmalgeschützte Ensemble Klosterkirche, in der sich heute modernste Veranstaltungsräume und die Städtische Galerie befinden.

Überfüllte Friedhöfe und eine Neuordnung des Begräbniswesens führten dazu, dass die Stadt Traunstein einen eigenen Friedhof auf einem 1638 erworbenen Grundstück errichtete, zuvor waren die Traunsteiner auf dem Friedhof der für die Stadt zuständigen Pfarrei Haslach bestattet worden.

Am 25. März 1639 wurde der neue Friedhof geweiht und am nächsten Tag der Grundstein für die Friedhofskirche St. Georg und Katharina, welche Vermögen und Patrozinium vom Vorgängerbau am Stadtplatz übernahm, gelegt. Mit der Erbauung beauftragt wurde der Traunsteiner Stadtmaurer Wolf König. 1654 geweiht, erfolgte 1669 der Anbau einer Sakristei und 1687 der eines „Totenerkers“ (Beinhaus).

Der heutige Turm entstand erst 1824 anstatt eines Dachreiters mit kleiner Zwiebel.

Der Friedhof wurde 1810-1828 mit Arkadengängen an allen vier Seiten eingefasst, die Platz für Gräber und Grüfte boten, heute sind nur mehr die westlichen Arkaden erhalten.

Der klassizistische Hauptaltar stammt von dem Salzburger Josef Doppel, der diesen 1782/83 für die Stiftskirche Herrenchiemsee geschaffen hatte, erst 1811 kam er in die Friedhofskirche.

Nach der Eröffnung des neuen Friedhofs an der Wasserburger Straße 1908 hat man den alten Begräbnisort 1922 endgültig aufgelassen und zur Kriegergedächtnisstätte umgestaltet.

Der 1837 enthüllte Obelisk, einer der ältesten in Bayern, erinnert an die napoleonischen Feldzüge, das Raupenhelmdenkmal an die Gefallenen von 1870/71. Metallene Bücher in der offenen Vorhalle der Kirche führen die Toten beider Weltkriege auf und seit 1994 erinnert eine Stele des Fridolfinger Bildhauers Dieter Schmidt an die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung.

Erbaut 1873 als Gewerbeschule und 1938 Zusammenlegung mit dem Humanistischen Gymnasium zur staatlichen Oberschule für Jungen. Heute Teil des Landratsamtes.

Das Gebäude wurde 1890/91 nach Plänen des Traunsteiner Baumeisters Lorenz Strobl als Städtisches Knabenpensionat (Schülerheim) errichtet. Langjähriger und verdienstvoller Leiter war der Traunsteiner Ehrenbürger Johann Nepomuk Niklas (1847-1912). Ab 1949 nahm dort die Städtische Oberschule für Mädchen ihren Betrieb auf, 1951 wurde sie zum Mädchen-Realgymnaisum erweitert.

1962 konnte durch Elternspenden eine Turnhalle errichtet werden. Nach der Verstaatlichung der Schule 1965 erfolgte 1966 die Umbenennung in Annette-Kolb-Gymnasium.

2008 erfolgte der Umzug in den Neubau auf der Westseite des Bahnhof.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus zeitweise als Durchgangslager und Verpflegungsstation der britischen Truppen auf ihrem Weg vom Mittelmeerraum zurück in die Heimat genutzt.

Im Jahr 1950 beschloss die Erzbischöfliche Diözese, der stark gewachsenen Bevölkerungszahl in Traunstein Rechnung zu tragen und eine neue Pfarrei mit Kirche einzurichten. Mit der Aufgabe betraut wurden die Missionare vom Kostbaren Blut, die im selben Jahr einen Bauplatz an der höchsten Stelle der Stadt erwarben.

An Stelle eines kompletten Neubaus hat man für den Zentralraum der neuen Kirche die 1950 zu den Passionsspielen in Oberammergau errichtete sechzehneckige Ausstellungshalle für sakrale Kunst wiederverwendet, die am Passionsspielort abgebaut und nach einem Jahr Wiederaufbauzeit im November 1952 feierlich geweiht wurde. Mit der Durchführung des  „Gebäudetransfers“ war der Münchner Architekt Rolf ter Haerst betraut worden, welcher die ursprüngliche Stahlskelettkonstruktion nach Traunstein bringen und wieder ausmauern und verkleiden ließ.

Der Kirchenbau hat ein flaches Zeltdach mit einer Fensterkuppel und eine geschwungene Eingangshalle, in der sich auch die Taufkapelle befindet. Die Sakristei und weitere Nebenräume wurden Ende der 1990er Jahre angebaut.

Im Innenraum ist an elf Seiten eine Empore angebracht, welche mit den Apostelfiguren verziert ist, die Wände darunter zeigen die Stationen des Kreuzwegs.

Dominiert wird der Altarraum durch das fast fünf Meter hohe, sehr ausdrucksstarke Holzkruzifix, das wie alle anderen Figuren auch von Jakob Adelhart geschnitzt wurde.

Die Pfarrkirche von Kammer wurde um 1452 als Filialkirche der Pfarrei Otting erbaut und ist dem heiligen Johannes dem Täufer geweiht. Der vermutlich spätromanische Vorgängerbau wurde als regionaltypischer spätgotischer Dorfkirchenbau aus Nagelfluh  mit eingezogenem Chor und Wandpfeilern errichtet. Der Turm wurde um 1790 gebaut und 1879 aufgestockt.

Nach der Barockisierung kam es zwischen 1870 und 1876 zu einer neugotischen Innenausstattung, welche bei einer Sanierung 1972/73 wieder zurückgenommen wurde.

Barock sind die Figuren des hl. Sebastian an der rechten Seitenwand und der Maria Immaculata vorne links (beide Mitte 18. Jh.) sowie das frühere Altarbild an der linken Seitenwand mit seiner sehr drastischen Darstellung der Enthauptung des Johannes. Das Gemälde rechts daneben, ursprünglich das Altarbild der Richtung Otting gelegenen Froschhamer Kapelle befindet sich seit 1995 in der Kirche und stellt die Taufe Christi durch Johannes im Jordan dar (spätes 17. Jh.). Ältestes und bedeutendstes Kunstwerk ist das große Christophorusfresko an der Nordwand. Es ist der Seeoner Schule zuzurechnen und stammt aus der Zeit zwischen 1470 und 1480, 1923 wurde es freigelegt. Der Heilige mit dem Jesuskind im Arm ist hier nicht, wie gewöhnlich, als Fischer oder Fährmann, sondern als Edelmann abgebildet. Die überlebensgroße Darstellung entspricht der Legende, wonach Christophorus ein Riese aus kanaanäischem Geschlecht war.

Das Ettendorfer Kircherl, zu welchem seit 1892 jedes Jahr am Ostermontag der Georgiritt führt, gehört zu den bekanntesten Sakralbauten der Region. Über die Ursprünge der Kirche hat man keine sicheren Information, eine erste urkundliche Erwähnung stammt von 1120 und lässt vermuten, dass sie ursprünglich eine grundherrliche Eigenkirche war.

Der heutige Bau geht bis auf das Jahr 1433 zurück, die Altarweihe ist für das Jahr 1451 belegt und der Bau des Langhauses erfolgte 1470-75 durch den Traunsteiner Maurermeister Thomann.

Die Empore im Inneren wurde 1512 angefertigt und deren Brüstungsbilder 1513/14 von Hanns Amberger gestaltet.

1521 sind die Gewölbemalereien und vermutlich auch die nördlichen Wandbilder, welche die Heimsuchung und die Ölbergszene zeigen, entstanden. Die vollständig erhaltene hochbarocke Orgel stammt aus der Mitte des 17. Jh. und stand bis 1770 in der Friedhofskirche St. Georg und Katharina.

Der Hochaltar aus dem Jahre 1718 wurde durch den Traunsteiner Tischler Johann Wolfgang Dersch angefertigt, wobei die Figuren der hll. Florian und Ulrich schon 1681/82 vom Traunsteiner Bildhauer Georg Pämer geschnitzt wurden.

Die sechs großformatigen Gemälde, welche Szenen aus dem Leben des hl. Veit zeigen, entstanden um 1720, das Gemälde der 14 Nothelfer 1739.

Der Turmoberbau und die Zwiebelkuppel wurden 1726 hinzugefügt. Die Tür des südseitigen, spitzbogigen Portals besitzt Beschläge aus dem Jahr 1487. Kunsthistorisch bedeutsam ist die ungewöhnlich seltene Rippenfiguration des dreijochigen Langhauses.

1659 ließ der Besitzer des Sparzer Guthofes an Stelle einer Martersäule ein Holzkapelle errichten, die 1712-1716 durch einen gemauerten Bau ersetzt, aber erst 1757 geweiht wurde. Der Turmneubau mit Zwiebelhaube 1823 erweiterte die Kapelle nach Westen hin.

Der Grundriss mit drei gleich großen Apsiden (Dreikonchen, Trikonchos) hat als Vorbild wohl den Salzburger Dom.

Der Hauptaltar aus dem Frührokoko enthält als Zentralbild ein 1830 angefertigtes Gemälde mit der Darstellung der Kleidersuche Christi nach der Geißelung.

Künstlerisch hochwertige Seitenfiguren zeigen links den Erzengel Raphael mit dem jungen Tobias und rechter Hand den Evangelisten Johannes.

An den Seitenwänden finden sich Darstellungen der hll. Notburga, Wendelin, Leonhard, Nepomuk und Oswald (2. Hälfte 18. Jh.) sowie ein Kruzifix aus dem späten 17. Jh.

Die Haslacher Kirche Mariä Verkündigung (ursprünglich Mariä Geburt) war vom Hochmittelalter bis 1851 Pfarrkirche für die Stadt Traunstein (St. Oswald am Stadtplatz war nur eine Filialkirche). Zu den Besonderheiten der Kirche gehören die reichhaltig vorhandenen Grabmäler. Otto von Hasilach ist als erster Pfarrer um 1140 erwähnt. Die Bausubstanz stammt in der heutigen Form aus dem Jahre 1846. Der Hochaltar wird vom Altarbild Mariä Verkündigung von Johann Neumüller bestimmt.

Die Haslacher Kirche wurde zum Teil auf spätmittelalterlicher Grundlage erbaut. Der vermutete Baubeginn liegt im späten 14. Jh., somit zählt sie zu den sehr frühen spätgotischen Kirchenbauten. Der aus der Wende zum 15. Jh. stammende Unterbau des Westturms belegt den romanischen Vorgängerbau. Des Weiteren sind zeichnerische Überlieferungen aus dem 17. Jh. vorhanden, die die Pfarrkirche als einschiffige Saalkirche zeigen. 1673 wurde ein neuer Hauptaltar errichtet. Nach einem Blitzschlag 1683 wurde der Turmaufsatz mit Haube neu gebaut. Nach einem Dorfbrand 1718 wurde ein weiteres Mal das Turmoberteil nach alten Formen rekonstruiert. In der Barockzeit wurde vorwiegend die Ausstattung erneuert, aber auch der Anbau der Johann-Nepomuk-Kapelle 1727/28 errichtet. 1830/31 wurde das Altarbild von Johann Baptist Neumüller angeschafft. 1845 entschloss sich die Kirchenverwaltung zum Ausbau der Kirche und so kam es zu einer  Langhauserweiterung um zwei Seitenschiffe und 1873-76 zum Bau eines in neuen Chorraums. Zudem wurden die Kirchenräume ausgemalt, ein neues Altarbild von Max Fürst, neuen Seitenfiguren, die Überformung des linken Seitenaltars sowie Neuanfertigung des rechten Seitenaltars wurden erstellt. 1936 erfolgte eine Restaurierung, bei welcher das Altarbild von Fürst wieder durch das von Neumüller ersetzt wurde und die barocken Seitenfiguren an den Altar kamen.

Die spätgotischen Turmgeschosse bestehen aus Nagelfluh. Das barocke Turmobergeschoss hat eine achteckige Form. Die Kuppel ist eine Übergangsform von der welschen Haube zur Zwiebelkuppel.

Friedhofskapelle:
Mit der finanziellen Unterstützung des Traunsteiner Bürgers Wolfgang Lantenhammer wurde Ende des 15. Jh. an Stelle eines Vorgängerbaus 1482-94 die Kapelle St. Michael und St. Ottilia erbaut. Der neugotische Altaraufbau stammt von 1859.

Einen kunsthistorischen Rang hat die Haslacher Kirche wegen der zahlreich vorhandenen Grabsteine und Epitaphien, welche teils aus hochwertigem Rotmarmor gefertigt sind und vor allem Haslacher Geistlichen, Besitzern von Edelsitzen und Traunsteiner Geschlechtern gewidmet sind.

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